Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670646
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Viertes 
Hauptstück. 
weisen, die ihm von Klytemnestra gebreiteten Purpurteppiche zu 
betreten. 
Erst nach Alexander kam dieser Luxus an den üppigen Höfen 
der Könige und Tyrannen auf. Schon Clitus hatte nach Phylar- 
chus seinen Audienzsaal mit Purpurteppichen belegt.' Das Zelt 
des Ptolemaeus Philopator hatte in der Mitte zwischen den Lager- 
betten und Tischen einen Gang, der mit glatten persischen Ta- 
peten belegt war, deren eingcstickte (oder gewebte) Darstellungen 
von Thieren und Menschen durch die Schönheit ihrer Zeichnung 
Bewunderung erregten. 2 
So mochte dieser asiatische Aufwand auch in die bürgerlichen 
Wohnungen Eingang finden, 3 obschon wohl nur in beschränkter 
Weise. Dasselbe gilt von den Römern. 
Die oben besprochenen Tapezierarbeitexi bilden mehr oder 
weniger integrirende Theile des architektonischen Systemes und 
sind wohl zu unterscheiden von jenen, die bei besonders festlichen 
Veranlassungen aus dem Garde-meuble hervorgeholt wurden. 
Die Tempelcella mit ihrem prachtvollen Peripteros, der Peri- 
bolos mit seinen Stoen, die Aula und der Oikos des Wohnhauses 
mögen durch die vereinten Künste des Architekten, Bildhauers, 
Malers und Vestiarius noch so vollendet ausgestattet sein, die 
Wände von Edelsteinen und Metall glänzen oder mit Meister- 
werken der Künste bedeckt sein, bei Pompen, Mahlzeiten und 
Festen werden sie dennoch durch Einbaue und Bekleidungen 
aller Art geputzt und umstellt; die Lakunarien aus Cedernholz, 
Gold und Elfenbein erscheinen mit Auläen aus kostbarem Purpur 
malerisch und prunkvoll halb verhängt, als sei keine Decke vor- 
handen und lagerte man unter Zelten. Die Marmor- und Porphyr- 
säulen Verstecken sich halb hinter gestickten Tapeten, die sie eng 
umschliessen, oder sie sind mit Laubgewinden, Reisern und 
Kränzen zu neuer improvisirter Ordnung umgestaltet. Vor die 
kostbar ausgestattete Architektur der Wände werden Draperie- 
sehirme gestellt, um den Saal festlicher und zugleich wohnlicher 
zu machen? Aehnliche Vorrichtungen setzen sich auch auswärts 
1 Athen. XII. 55. 
2 Athen. V. 26. 
3 Terent. Phorm. prol. 27. Tegiculum dicunt Graeci qliod insternitur 
pavimentum. 
4 Beim Hochzeitmahle des Makedonien-s Karanos war ein Oikos ringsum 
mit weissen Battistdraperien bchangen, die sich aufthaten und hinter welchen
        

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