Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670638
Textile 
Kunst. 
Exkurs. 
Tapezierwesen 
Alten. 
der 
287 
Üeber das Velarium und das Draperiewesen der Theater im 
Allgemeinen wird ßiusfihrlicheres in einem späteren Abschnitte 
des Buchs folgen. 
In dritter Anwendung als Fussdeckc scheint der Teppich bei 
den Griechen sehr früh durch Estrichfussböden, buntes Marlnor- 
getäfel und Mosaik verdrängt worden zu sein. Selbst im Homer 
werden die tapetia nur erwähnt in Verbindung mit Lagern oder 
Bettvorrichtungen, sie waren von geringem Maasse und wurden, 
wie noch jetzt im Orient üblich ist, nur für bestimmte Zwecke 
ausgebreitet, aber nach aufgehobener Lagerung oder Sitzung wie- 
 der aufgerollt. 
Aehnlich war es bei den Aegyptern, wie die Malereien be- 
weisen. Man bediente sich schon im höchsten Alterthume der 
noch jetzt der Kühle wegen gesuchten aus Palmblattrippen zu- 
sammengefügten niedrigen Estraden, worauf dann bunte Leinwand- 
teppiche oder Baumwollcnzeuge ausgebreitet wurden. 1 
Anders bei den alten Völkern des Orients; sie trieben grossen 
Luxus mit festen Teppichen, die den Boden bedeckten. Diess 
erhellt aus darüber erhaltenen Nachrichten und ersieht man deut- 
lich aus der Einrichtung der Palastfussböden, die einfach getäfelt 
oder zum Theil ganz aller Bekleidung baar sich zeigen, während 
die Wände in äusserster Pracht glänzen. Nur wo die Teppiche 
nicht gelegt werden konnten, z. B. zwischen den Thürpfosten, sieht 
man theils reich gemusterte Steingetäfel theils sogar Bronzefuss- 
böden mit eingelegter Silberarbeit u. dgl. 
In der Halle der Melophoren des Palastes zu Susa lag ein 
glatter sardianischer Teppich, worauf der König allein ging wenn 
er mit seinem Cortege aus dem Harem durch die Halle zog 
um den Wagen zu besteigen oder um auszureiten. 2 So auch er- 
wähnt Xenophon als eines fremdartigen und übertriebenen Luxus 
der persischen Gewohnheit die Lagerbetten auf Teppiche zu 
stellen, damit das Steingetäfel nicht zu harten Grund bilde, sondern 
sein Widerstand durch die elastischen Teppiche gebrochen werde. 
Die Gefährten Alexanders führten den Luxus der Fussteppiche 
auch in Griechenland ein, woselbst sie vorher als eine nur den 
Göttern zukommende Ehrenbezeugung betrachtet wurde. Daher 
lässt Aeschylus seinen Agamemnon es voll Scheu von sich ab- 
1 Wilkinson, manners and customs etc. 
2 Heraclides in Athenaeo XII. cp. 8. 
        

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