Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670596
Textile Kunst. 
Exkurs. 
der 
Tapezierwesen 
Alten. 
283 
Dichter seinen Personen in den Mund legt dadurch erleichtert 
wurde, eben so benützten die Komiker das gleiche Motiv wie es 
ihnen die häusliche Einrichtung der Athener bot. Unter vielen 
Anspielungen dieser Art sei hier nur die Stelle des Aristophanes 
erwähnt wo Jemandem der sich nicht zu benehmen weiss der 
Rath gegeben wird die Decke sich anzuschauen und die Vor- 
hänge der Aula zu bewundern. 1 
Es versteht sich von selbst dass derselbe Gebrauch auch bei 
den Römern galt, worauf eine Stelle des Properz über die pracht- 
vollen attalischen Teppiche der Säulenhalle des Pompejus zu be- 
ziehen ist. 2 Auch Martial widmet den buntgewirkten Vorhängen 
der Gemächer, den cubiculariis polymitis, eine Anzahl Epigramme. 
(Martial. XIV. 150). 
Dieser Gebrauch tritt ausserdem an den "Wandmalereien Pom- 
pejis, deren Motiv eben nichts weiter als die Nach- 
ahmung solcher mit Draperieen und Scherwänden 
ausgestatter Stoen und Hallen ist, auf eine Weise deutliich 
hervor, dass es wahrlich keines weitren Nachweises desselben 
aus den alten Schriftstellern bedarf. Hier zeigt er sich in seiner 
ganzen Fruchtbarkeit und in allen Varietäten späterer stilistischer 
Ausbildung und Verbildung.  
Wir sagen nicht zu viel wenn wir behaupten dass das Frei- 
bleiben der Zwischenräume der Säulen bei den Alten etwas Un- 
gewöhnliches war, dass der Säulen Bestimmung zum Theil 
darin bestand eben solche Draperieen und Scherwände, von 
denen oben die Rede war, aufzunehmen, eine Anschauungsweise 
die freilich der modernen Aesthetik eben so wenig behagen wird 
wie meine Ansicht von der Polychromie der Alten. 
Die Zwischenräume der Säulen boten ein sehr geeignetes Feld 
für Anwendung tendenziösen Schmuckes der Stickerei, Plastik 
und Malerei und ohne sie zu berücksichtigen ist es uns schlech- 
terdings unmöglich den Reichthum an derartigen Verzierungen, 
deren bei den Beschreibungen der Monumente und sonst gelegent- 
liche Erwähnung geschieht, unterzubringenß 
1 Aristoph. Wespen 1215. Athen. V. 6 in üne. 
2 Propert. II. 23. 46. Scilicet umbrosis sordet Pompeia columnis Porticus 
aulaeis nobilis Attalieis. 
3 Die sogenannten Säulenbilder (stylopinakia), sind meines Erachtens von 
Rochette ganz unrichtig für Gemälde die an Säulen geheftet waren gehalten
        

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