Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670589
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Viertes 
Hauptstück. 
Sühnfesten fand eine vollständige Verhüllung, wahrscheinlich mit 
schwarzen Vorhängen Statt? 
Doch auch sonst wurden die Kapellen der Götterstatuen schon 
des Schutzes der letzteren wegen durch Vorhänge, zum Theil auch 
wie die Aedicula der Knidischen Venus des Praxiteles durch 
Thüren, verschlossen? Der inbrünstige Lucius wartet in früher 
Morgenstunde auf den Moment wenn von dem Bilde der Isis 
der weisse Vorhang rechts und links zur Seite geschoben wird 
um die Göttin anzubeten. 3 
vorzüglichen Schutzes bedurften die unzähligen mit Gewän- 
dern bekleideten Holzbilder und die kostbaren chryselephantinen 
Kolosse. Der alljährlich erneute panathenäische Peplos, das 
Prachtstickwerk der Athenepriesterinnen, war ein solcher Schutz, 
von dem man nur noch nicht recht weiss ob er als Mantel um- 
gehängt oder als Katapetasma vorgespannt oder endlich als Para- 
petasrna4 (Hiinmeldecke) über der Statue ausgespannt wurde. 5' 
Besser unterrichtet sind wir durch Pausanias von dem Vorhange 
den der König Antiochus dem olympischen Jupiter widmete. 
Er war aus purpurfarbigem phönikischem Wollenstoffe und mit 
assyrischer Stickerei bedeckt, und wurde an Stricken herabge- 
senkt, nicht wie das Parapetasma zu Ephesos unter die Decke 
hinaufgezogen; Wahrscheinlich mochte diess eine Neuerung sein 
welcher der altere Gebrauch des Hinaufziehens des Vorhanges, 
der noch in Ephcsus üblich war, weichen musste. Eben so wurde 
nach Quintilian das ursprünglich griechische Aulaeum der Thea- 
terbühne gegen das spätere römische Siparium, das herabgesenkt 
wurde, vertauscht. 
Gleich wie die Tragiker es liebten auf die uralt geheiligte 
scenische Ausstattung der Tempelbezirke anzuspielen, weil das 
Dekorationswesen der antiken Bühne aus ganz ähnlichen Einrich- 
tungen bestand und daher eine Veranschaulichung dessen was der 
Diod. 
XVII. 
fast. 
Ovid. 
563. Aelian. 
XII. 
Pans. 
Lucian. 
Amores. 
3 Apulejmls Met. XI. 20. 
4 Der Unterschied zwischen parapetasma (Himmeldecke) und catapetasma 
(Draperiewand) den Böttiger aufstellt findet sich nicht überall bestätigt. So 
z. B. bedient sich Pausanias des Wortes parapetasma, wo er ganz bestimmt 
nur die Teppichwand meint. Dessgleichen auch andere Schriftsteller. 
6 Hirt. Gesch. d. Baukunst. Böttiger kl. Schriften III. 455. II. 51. Völkel 
über die Statue des Jupiter S. 50 und 235.
        

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