Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670572
Textile Kunst. 
Exkurs. 
der Alten. 
Tapezierwesen 
281 
ngeweben theils sogar mit wirklichem Golde, das getriebene Bild- 
"werke zeigt, geschmückt. Die Stickereien der Vorhänge sind 
„der griechischen Fabel entnommen  andere zeigen Datis, der 
"die Insel Naxos dem Meere entreisst und Artaphernes der 
"Eretria belagert etc." Man sieht der Grieche legt den asia- 
tischen Heroen ihm bekannte Namen bei, aber man erkennt 
in seinervßeschreibung dieselben Darstellungen die w'ir auf den 
Alabasterplatten von Nimrud, Ohorsabad und Kudjundschik sehen. 
Von den Aegyptern wissen wir'Achnliches; Ülemens Alexandr. 
Paedog. Ill. 2 p. 216. E. Sylb. spricht von den ägyptischen Tem- 
pelverhüllungen und Teppichvorhäilgeil, hinter welchen sich ein 
fratzenhaftes Götzenbild befinde. Wir werden sehen wie die 
Monumente Aegyiptens eine vielfache Anwendung von Draperieen 
zu ihrer Vervollständigung voraussetzen lassen und wie sie selbst 
in engem stilistischen Zusammenllange mit der Draperie stehen. 
Wie das Umspannen und Behängen der Räumel bei den Grie- 
chen eine uraltherkömmliche Sitte war, die bei geweihten Plätzen 
besondere religiöse Bedeutung beibehielt, davon zeugen viele 
Stellen bei den alten Tragikern, die dabei zugleich ganz ähnliche 
Vorrichtungen, die das Publikum auf der Scene vor Augen hatte, 
zu erklären bemüht sind. Vorzüglich wichtig ist in dieser Be- 
ziehung der Ion des Euripides, der einen guten Theil seines 
Schmuckes von den Paramenten des delphischen Apollotempels 
entlehnt, wie sie wohl noch zur Zeit des Dichters in den The- 
sauren aufbewahrt und bei T-empelfeiern ausgestellt wurden. Das 
ganze Stück ist gleichsam eine Tempelexegese, und wird im Fol- 
genden noch öfter citirt werden müssen. 
Gewisse vornehmlich ehrwürdige Orte der Heiligthümer erhielten 
durch Vorhänge besondere Weihe und wurden nur durch diese 
einfache und ursprüngliche Scheidung als dem Nichtgeweihten 
unzugänglich bezeichnet. So war bekanntlich das Allerheiligste 
des mosaisehen Sanktuariums nur durch prachtvolle Vorhänge 
von der eigentlichen Tempelcclla geschieden.  
Die Götterbilder standen in besonders abgeschlossenen Kapellen 
(aedicula, secos, hedos) die mit Draperieen verhangen waren und 
nur zu bestimmten Zeiten enthüllt wurden. Bei Todten- und 
auf ihren 
1 Ammianus berichtet in seinem 24. Buche, dass die Assyrier 
Auläen meistens Jagden und Kriegsscenen darzustellen pflegten. 
Semper. 35
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.