Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670554
Textile 
Kunst. 
Exkurs. 
Tapezierwesen 
der Alten. 
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des Atriuni, die eigentlichen gemauerten Umfassungswände näm- 
lich, wurden des Komforts Wegen ähnlich behangen oder um- 
kleidet.  Dazu kommen die Portieren oder Thürvorhänge, Welche 
in dem klassischen Alterthume sehr ausgedehnte Anwendung fin- 
den mussten, da sich in dem Innern der Häuser sehr Wenige 
Spuren von früheren eigentlichen Thürverschlüsscn aus Holz oder 
Metall zeigen. Sehr oft tritt der Fall ein dass Gemächer an 
einer oder gar an zwei Seiten ganz offen bleiben, dass ganze 
Wände fehlen, wie z. B. an dem Tablinum des römischen Hauses, 
das meistentheils sowohl gegen das vordere Atrium wie gegen 
das hinten liegende Peristil ganz und gar offen ist und seiner 
Anlage nach einen doppelten Verschluss durch Draperieen als 
nothwendig voraussetzen lässt. Dasselbe findet sich meistens an 
den oecis und trieliniis, die von dem Peristil aus zugänglich sind. 
Wir fanden genau dieselbe Einrichtung in den chinesischen Haus- 
anlagen, wie sie noch jezt bestehen. (Siehe oben  63.) 
Einen interessanten Vergleichungspunkt für die oben er- 
wähnten niedrigen und mehr oder weniger beweglichen Ab- 
schlüsse gewähren uns die Skulpturen und Malereien des Alter- 
thums, auf denen die Handlung in seenischer Weise sich meistens 
vor Wänden von der beschriebenen Art abwickelt; sie dienen 
in der bildenden Kunst zu der rein symbolischen Andeutung des 
verschlossenen Raums. Viele von diesen Hintergründen bestehen 
aus Draperieen die faltenreich zwischen Pfeilern aufgehängt sind, 
z. B. auf dem bekannten Relief, welches die Hochzeit des Iason 
mit der Glauke vorstellt, und auf späteren Vorstellungen römi- 
scher HoehzeitenÄ Andere deuten auf stehende Wände, etwa nach 
Art der chinesischen Wandsehirme hin, wie auf der berühmten 
aldobrandinisehen Hochzeit. 2 
Die zum Aufhängen solcher Draperieschirme bestimmten Ge- 
rüste hiessen scabella, (davon escabeaux, echafaudagesJwelche mit 
den oben erwähnten Theatervorhängen knarrend aus dem Fuss- 
boden des Prosecnium emporstiegen wenn das Stück zu Ende war. 
So glaube ich das Scabilla concrepant, aulaeum tollitur 3 des Cicero 
1 In Gaettani notizie sulle antichita e belle arti di Roma. 
2 Seit der Wegwischung der Uebermalungen zeigt der ganze Hintergrund 
des Bildes eine einzige fortlaufende Wand. 
3 Cic. pro Coelio 27. Man muss sich diese Vorhänge oder vielmehr Vor- 
schirme des R. Theaters nicht höher denken als nothwendig ist um die Handlung 
selbst für den Beschauer auf der obersten Sitzreihe zu verstecken; die oberen
        

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