Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670536
Textile 
Kunst. 
Exkurs. 
Tapezierwesen 
der Alten. 
277 
und unbestimmten Hindeutungen der alten Autoren über diesen 
Gegenstand gewähren. 
Auch Böttigerl beklagt sich über diesen Mangel, aber er hat 
bei seinem Desiderium ebenfalls nur den Teppich selbst und seine 
Malerei, nicht aber das für uns hienWesentlichere, nämlich die 
Weise ihrer Verwendung, die eigentliche Kunst des Tapeziers, 
im Auge. Was ich daher bei diesem Mangel an Vorarbeiten 
als Ungelehrter darüber zugeben vermag darf kaum für den 
nächsten Zweck den ich beabsichtige genügend erscheinen, keines- 
wegs auf Erschöpfenderes über diesen Gegenstand Anspruch 
machen. 
Die Tapezierkunst der Alten ist dieselbe die sich bis auf den 
heutigen Tag in südlichen und östlichen Ländern, besonders in 
Indien, China und Persien, erhalten hat. Sie ist selbst bei uns 
in der katholischen Kirchenregel und sogar in manchen profanen 
Gebräuchen wieder zu erkennen; 
Dasjenige was wir hier vor Augen sehen wirft ein erwünsch- 
tes Licht auf die zum Theil dunklen und lückenhaften Mitthei- 
lungen der Alten über die res vestiaria der klassischen Vorzeit. 
Zu diesem kommennoeh die alten Monumente selbst, die oft 
deutliche Spuren eines früheren Mitwirkens der vestiarisehen Kunst 
zu ihrem Gcsammtcffect zeigen, und unter diesen vorzüglich die 
Üeberreste von Pompeji und "Herkulannm mit ihren Wandmale- 
reien, welche letztere allein schon einen ganzen Schatz von Auf- 
schlüssen über das Draperiewesen der Alten geben. Es liegt also 
ein sehr reichhaltiger Stoff vor, der sich vielleicht am besten 
fassen lässt wenn man drei Aufgaben die dem Vestiarius des 
Alterthums oblagen unterscheidet, nämlich 1) die Ausstattung 
einer architektonischen Einrichtung in so weit sie diese vervoll- 
ständigt und zu ihrer Ergänzung unbedingt vorausgesetzt werden 
muss; 2) den Schmuck mit welchem der Vestiarius ein architek- 
tonisches Werk das an sich schon vollständig ist für besondere 
festliche Gelegenheiten. ausstattet; 3) die Einrichtung zeitweiliger 
und zeltartiger Anlagen. 
Wer nur den Grundplan eines antiken Hauses betrachtet 
überzeugt sich sehr bald dass die jetzt- fehlenden Draperieen 
unbedingt im Geiste restituirt werden müssen um es für Wohn- 
lll. 
die 
1 In seinem Aufsatze über 
p. 448. Anmerkung '2. 
Teppiche 
Raphaels Kartons. 
nach 
K1. Sehr.
        

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