Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670529
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Hauptstück, 
Viertes 
den Phrygiern kennt, für älter als fast alle übrigen Zeiehnereien 
und Bildnereien in Griechenland." Er sieht mit dem Auge des 
Gelehrten lange vor der Zeit der Wiederaufdeckung Ninives die 
babylonisch-assyrischen Stickereien mit ihren Thierkämpfen, Wun- 
derthieren und Arabesken gerade so, wie sie jetzt auf den Pracht- 
gewändern der Könige und Grossen Assyriens uns allen deutlich 
vor Augen stehen. 
Aber auch die Alabastertafeln selbst, auf denen diese buntbestick- 
ten Königsbildersich abheben, sind steinerne Stickereien, was 
sich auf ihnen gruppirt und (larstellt entspricht durchaus demjeni- 
gen welches die Archäologie auf den längst vermoderten wirklichen 
"Tapeten der Chaldäer und Assyrier gesehen hat. Was würde uns 
Böttiger aus ihnen erklären, wenn er ihre Entdeckung noch er- 
lebt hätte! l 
Exkurs 
über 
das läxpezierwesen 
der Alten. 
Die Stillehre ist keine Geschichte der Kunst, sie darf und 
muss das Spätere, wenn es sich als traditionell aus ältestem Brauche 
hervorgegangen kund gibt, voranstellen und es unbedenklich als 
Schlüssel zu dem Verständniss der Werke ältester Zeit, deren Zu- 
sammenhang sich aus ihren zerklüfteten Ueberresten ohne ihn 
nicht mehr erkennen lässt, benützen. Nachher können wieder 
umgekehrt diese Trümmer einer vorgeschichtlichen Zeit die ent- 
wiekelteren Kunstformen und ihren Stil erklären helfen. Diese 
Rücksicht veranlasste mich folgenden Exkurs über das Tapezier- 
wesen der Alten hier einzuschieben. 
Bei der häuslichen Einrichtung der Alten hatten die Tischler 
sehr wenig, die vestiarii (nach modernen Begriffen die Tapeziere) 
fast alles zu thun. Die Wirksamkeit dieser wichtigen Zunft hat 
unsere Archäologie die so manches Detail des antiken Lebens 
und antiker Kunst mit fast überflüssiger Genauigkeit bearbeitete 
noch ziemlich unberücksichtigt gelassen, vermuthlich wegen der 
dürftigen Ausbeute welche die zwar häufigen aber allgemeinen 
1 Die hauptsächlichsten {Stellen 
Schriften sind: Vasenbilder I. S. 76. 
I. S. 402. lll. S. 448. S. 455. 
über diesen 
S. 115. II. 
Gegenstand aus 
S. 105. Kleine 
Böttigers 
Schriften
        

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