Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670514
Kunst. 
Textile 
Mesopotamien. 
275 
Gewirr, das auf den Producten alt-asiatischer Industrie noch 
mystischen Sinn hat, zunächst rein ornamentale Anwendung, und 
aus ihm entstanden theils gewisse wichtige Typen der Baukunst, 
wie z. B. das ionische Kapital und mancher andere Schnörkel 
der Architektur, theils jene reichen grottesken Formen der soge- 
nannten Araibeske, die als ornamentaler Schmuck struktiv funktio- 
nirender Theile eines Kunstganzen sich so mannigfach aus- 
bildete. 
Aus demselben kosmogonischen Urzopfe ging nun auch die 
fabelhafte Thierallegorie hervor, die der Asiate auf seine Teppiche 
sticktc 1 und dadurch auch den Griechen die Idee zu diesen will- 
kürlichen Thierkompositionen gab. Löwen, Stiere, Hirsche, Zie- 
gen, Strausse, Adler, Lakerten, Fische und Menschen im Kampfe 
verschlungen, theils äusserlich, theils in dem Sinne der Verzwit- 
terung heterogener Organismen. S0 entstanden die Basilisken und 
Chimären, die Tragelaphen und Hippokampen, die Greifen und 
Echidnen, die Sirenen und Nereiden, die Sphinxe und Kentauren. 
Man darf mit Zuversicht behaupten, die gesa-mmte Bevölkerung 
des klassischen"Blocksberges habe aus den Tapeten  der Baby- 
lonier, woselbst sie im Zauberbann gefesselt waren, auf den Spruch 
hellenischer Dichtkunst sich abgelöst. Verfolgt man diesen Ge- 
danken so führt er uns über den Pöbel des Olympos hinaus 
und lässt uns auch in den Heroen, die jenen bekämpfen, entzau- 
berte gestickte Helden sehen. Zuletzt müssen sich auch Zeus und 
Here und der ganze hohe Olymp zu gleichem Ursprung be- 
kennen. 
In dem Schlossä Blay allnächtig 
Giebts ein Rauschen; Knistvrn, Beben; 
Die Figuren der Tapete 
Fangen plötzlich an zu leben. 
Schon Böttiger erkannte der orientalischen Gewandstiekerei ganz 
den EinHuss auf hellenische Bildung zu, den sie wirklich hatte, er 
erklärt ndie Stickerei in den Gewändern, so wie sie Homer schon bei 
1 Euripid. Ton. 1172 führt Teppiche der Barbaren auf, womit die Wände 
des Tempelhofes geschmückt wurden,  .  vieirudrige Schiffe den Hellenen 
feindlich, und Mischthiere, wilde Reiterschaaren, Jagden von Hirschen und 
wüthenden Löwen.
        

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