Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670483
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Hauptstück. 
Viertes 
sich darunter die Helena des Zeuxis befand, Welches beiläufig 
gesagt beweist dass das grcsse Publikum sich stets gleich blieb. 
Er scheint in drei Abtheilungen bestanden zu haben: in der 
Mitte waren Götter und Göttinnen, darüber Schlachten und Jagd- 
scenen, darunter Männer von Susa und Perser, alle in ihren 
Nationalkostümen und mit ihren AttributenÄ Die Karthager kauf- 
ten später nach Polemon diesen Teppich für 120 Talente. 
Nach Plinius 2 waren die alexandrinischen Fabrikanten die 
Eriinder der eigentlichen Teppichwirkerei, er hält also die älteren 
Teppiche Asiens durchweg für Stickereien?  Es wird immer 
mehr oder weniger unbestimmt bleiben, 0b man an gestickte oder 
gewirkte Tapeten zu denken habe, wenn die alten Schriftsteller 
dieser Werke erwähnen, doch habe ich meine Ueberzeugung be- 
reits dahin ausgesprochen, dass alle ältesten Werke der Art 
Stickereien Waren, von denen der Uebergang zur eigentlichen 
Buntwirkerei an den Mustern der Kleider der assyrischen 
Könige, die auf den Basreliefs von Nimrud, Chorsabad u. s. w. 
abgebildet sind und die sich im Charakter so sehr von ein- 
ander unterscheiden je nachdem sie der älteren oder der neueren 
Periode des assyrischen Reiches angehören, wahrnehmbar ist. 
Ein merkwürdiges sicher uraltes Motiv für gestickte (später 
oft bloss gemalte) Tapeten von ungewöhnlicher Höhe und Aus- 
dehnung hatte seinen Ursprung in der Sitte dieselben durch Die- 
ner so lange ausgebreitet halten zu lassen als die feierliche Hand- 
lung dauerte die an dem Orte vor sich ging den sie zu um- 
schliessen, zu weihen und zu schmücken bestimmt waren. 3 
1 Aristot. Memorab. cp. XCIX. p. 200. Athenaeus. XII. 541. 
2 Plinius nat. VIII. 48. Plurimis liciis texere quae polymita appellant 
Alexandria instituit. 
3 Als Beispiel wie im Orient alle ältesten Motive der Kunst sich noch in 
ihrer ursprünglichsten Frische lebendig erhielten dient eine Scene, die sich bei 
Gelegenheit eines Besuches der Königin von Oude in England im September 
1856 im Bahnhofe zu Southampton zutrug. Damit sie und ihr weiblieher 
Hofstaat von den neugierigen Blicken der englischen Ungläubigen nicht 
verunreinigt werde bildeten Eunuchen mit ausgebreiteten prachtvollen Shawls 
und Teppichen auf dem Wege, der von den geschlossenen Kutschen in das 
Coupe des Eisenbahnwagens führte, doppeltes Spalier-und standen gleich Sta- 
tuen unbeweglich bis zur Abfahrt des Zuges. Siehe Abbildung und Be- 
schreibung dieser Scene in den Illustrated London News, Sept. 6- 1856.
        

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