Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670476
Textile 
Kunst. 
Mesopotamien. 
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Decken- und Giebelbau, von welchem wir nur durch die Nach- 
richten der Alten, durch Andeutungen auf assyrischen Basreliefs 
und durch wenige aufgefundene seiner Ordnung angehörige Glie- 
der und Theile Notiz haben. Wir werden diesen grossartigen 
Baustil in seinem Gesammtwesen in einem andern Abschnitte 
dieses Buches zu restituiren suchen, hier darf uns nur dasjenige 
beschäftigen, was er in Bezug auf unser Thema Bemerkenswerthes 
bietet, wodurch wir vorzugsweise auf das konstruktive Element 
dieses Stils hingewiesen werden. 
Zuerst müssen wir unser Prinzip auch hier in der eigentlich 
t extilen Bekleidung wieder aufsuchen das allerdings in anderer 
Weise als in China, nicht hürdenartig primitiv sondern in kul- 
tivirterer Fassung, aber fast entschiedener als irgendwo mit den 
bildenden Künsten und der Baukunst in Verbindung tritt. In der 
That mögen die Chaldäer und Assyrier unter allen Völkern des 
westlichen Kulturstockes als die treuesten Bewahrer des Motives 
der Bekleidung in der Baukunst gelten, das sich bei ihnen in 
seiner ganzen Ursprünglichkeit erhielt. 
In den ältesten Urkunden des Menschengeschlechtes werden 
die Teppiche und Stoffe der Assyrier gerühmt Wegen ihrer Far- 
benpracht und der Kunst der auf ihnen gesticktem und gewirkten 
Darstellungen. Schon im Buche Josua (VII, 21) kommt eine 
solche Prachtarbeit babylonischer Webstühle vor. Sie werden als 
mit grotteskem Werke, fabelhaften Thierformen, Kämpfen und 
Jagden bedeckt beschrieben und heissen peristromata zodiata, 
belluata tapetia u. s. w. Auf Teppichstickerei bezieht sich auch 
Hesekiel, wenn er (23 v. 24) von den rothen Männern, den Bil- 
dern der Chaldäer, spricht. 
Ihnen nachgebildet, aber höchst wahrscheinlich bedeutend 
ägyptisirend, waren die später berühmten tapetia alexandrina und 
die mehr gräcisirenden attalisch-pergamenischen aulaea. Wahr- 
scheinlich hatten die hellenischen Herrscher zu Alexandria und 
zu Pergamos grosse Staatsmanufakturen für derartige Teppiche 
errichtet, ähnlich wie es viel später von den Normannenfürsten 
in Palermo geschah. 
Gräcisirt asiatisch mochte wohl auch der Peplos sein, den der 
Sybarite Alkisthenes in dem Tempel der Hera Lakinia zur Schau 
ausstellte und der von den Besuchern des Heiligthums unter 
allen Schätzen desselben am meisten bewundert wurde, obgleich
        

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