Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670456
Textile Kunst. 
Mesopotamien. 
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abgeschwächte Nachbild der geflügelten ägyptischen Sonne hält, 
obgleich er eben so gut sein noch nicht zu verkürzter Hierogly- 
phenform zusammengeschrumpftes Vorbild sein kann. 
Noch viel weniger kommen gewisse ägyptische und ägypti- 
sirende Geräthe und ornamentale Theile von Gebäuden in Be- 
tracht, deren Vorkommen unter den Trümmern assyrischer Monu- 
mente ursprüngliche und fortdauernde Einwirkungen Aegyptens 
auf wassyrische Kunst keineswegs beweist. Der wichtigste Fund 
dieser Art wurde in einem kleinen Sale des (ältesten) Nordwest- 
palastes zu Nimrud gemacht und besteht aus sehr interessanten 
getriebenen Erzgefassen, Bruchstücken von Geräthen aus getrie- 
benem und gegossenem Metall und einer Menge von Elfenbein- 
schnitzwerken, die zum Schmucke eines kostbaren Möbels, 
einer hölzernen Wandbekleidung, Thür oder dergleichen gedient 
haben mögen. Layard 1 und Birch halten diese Gegenstände für 
assyrische Arbeit im ägyptischen Stile, wogegen sie nach an- 
dern ächt ägyptisches Werk und zwar, zum Theil wenig- 
stens, Werk aus dem alten Reiche Aegyptens sind. Dafür 
spreche die auf den Kartusehen zweier Elfenbeintafeln enthaltene 
Hieroglypheninschrift, die den Namen des Königes Ra-Übn ent- 
hält, der lang vor der achtzehnten Dynastie herrschte, dafür 
spreche noch deutlicher der Stil dieser Bildwerke, der offenbar 
der archaisch-ägyptische sei. Kein assyrischer Elfenbeinschnitzer 
noch selbst ein ägyptischer Künstler aus den Zeiten späterer Dy- 
nastien hätte unter anderem vermocht, den unnachahmlichen Stil, 
das Katzenhafte, der archaischen Figuren wiederzugeben. Anderes 
dagegen scheint nicht ägyptische aber eben so wenig assyrische 
Arbeit zu sein, sondern mag aus Phönik-ien oder sonst woher 
stammen und als Beute nach Ninive geschafft worden sein. Alle 
diese Gegenstände aber tragen das Kennzeichen ältester Kunst, 
zum Theil gleichsam vorgeschichtlichen Zopfes, zwischen welchem 
und dem ersten Anfange der eigentlichen historischen Zeit der 
Kunst noch ein weiter Zwischenraum des Verfalls und der Bar- 
barei angenommen werden muss.   
Diess aber spräche nur von dem hohen Alter des ältesten Pa- 
lastes zu Nimrud und von einer auch von Alexander und den 
Römern befolgten Sitte, die Säle der Königsburgen mit den 
' Siehe Layaröfs Ninive und seine Ueberreste, übersetzt von Meissner. 
200 und 297 und dessen Monuments of Niniveh 2te Series tab. 57-69.
        

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