Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670401
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Viertes Hauptstück. 
Folgerungen nicht für die Geschichte indischer Kunst allein um- 
walzend, sie ist es überhaupt für die gesammte Kunstlehre wie 
unsere Professoren sie vortragen. 
Diess mag vor der Hand noch auf sich beruhen, ich fol- 
gere zunächst nur aus der Analogie dessen was wir an jenen 
indischen Steinmonumenten erkennen einen für die Geschichte 
des Stils nicht unwichtigen Satz, dass nämlich die Bildnerei in 
ungebranntem und gebranntem Thone, da sie niemals und bei 
keinem Volke des Alterthums anders geübt wurde als nach der 
Weise jener Steinskulpturen, nämlich so dass das Thongebilde 
nur den unsichtbaren mit Stuck inkrustirten Kern der Kunstform 
ausmachtf dass sage ich die Thonbildnerei eben so wenig 
eine ursprüngliche Technik ist wie die Steinbildnerei, 
sondern in die Reihe der sekundären oder vielmehr tertiären Er- 
scheinungen der Stilgeschichte tritt. 
Das Bekleiden der Wände mit Steinen, (Mosaik  die M3, 
lerei des Stucks, (aus welcher sich dann die einfache Bemalung 
des Steins entwickelte, indem farbiger Stuck und Anstrich dem 
Begriffe nach gleich, nur der Dicke des Auftrags nach verschie- 
den sind,) die Inkrustation der Wände und structiver Theile 
mit Metallplatten, alles dieses sind technische Proceduren der 
Baukunst die, in Indien wenigstens, im Gefolge des Stucks, 
dieses ältesten struktiven Bekleidungsstoffs der aus 
Erde und Ziegeln konstruirten Wände, und zum Theil 
in Verbindung mit ihm in Anwendung kamen. Dabei bleiben 
aber noch immer manche Fragen unerledigt. Zum Beispiel über 
das Alter der Metallbekleidung und ihre richtige Ableitung, 
über das Alter des Mosaiks und dessen Verhalten zur Malerei, 
über das Verhalten dieser letzteren zur Skulptur u. s. w. Ich 
lasse sie noch vor der Hand unberührt und bemerke nur in Be- 
zug auf die erste dieser Fragen dass Indiens Metallbekleidung 
wahrscheinlich alle anderen barbarischen Leistungen dieses Faches 
übertraf und dass die früh raffinirte Technik die bei ihr ange- 
wandt wurde, ihr hohes Alter in diesem Lande verbürgt? 
Merkwürdig ist in dieser Beziehung jene in des Philostratus 
Lebensbeschreibung des Apollonius enthaltene Notiz über die Aus- 
1 Es ist hier natürlich nicht von Thonwerken aus Zeiten die Rede, in 
welchen jede Tradition der Kunst meist vergessen war. 
2 Philostr. Vit Ap. II. 21.
        

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