Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670390
Textile 
Kunst. 
Indien. 
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Stuck und bemalte letztern nach einem den natürlichen Farben 
der dargestellten Gegenstände bald mehr bald Weniger entsprechen- 
den oder auch nach ganz conventionellem polychromen Systeme. 
Das scheinbar Sekundäre, die dünne Oberfläche gemalten Stucks, 
ist das Primäre, der historisch gewordene und nur noch symbo- 
lisch vertretene Urstoff des Motivs, die Bildhauerei in festem 
Steine die letzte Inkarnation desselben. 
Will man daher der masslosen Fülle des Hindustiles an pla- 
stischen Verzierungen und der baroken Willkür und Weiche 
seiner Formen materiell construktive Ursachen unterlegen, ob- 
schon sie sich eigentlich erst aus tieferliegenden später anzudeu- 
tenden Gründen vollständig erklären, so ist man gewiss weit eher 
berechtigt sie auf Rechnung der plastisch bequemen Masse des 
Stuckes zu setzen als die mühevolle und spät-zelotische Ausge- 
burt des Meissels in ihnen zu sehen. 
Wenn derselbe Architekt dessen Ansichten über das bild- 
hauerische Element der Hindubaukunst hier widerlegt sind die 
Bauart der Pagoden in konstruktiver Beziehung als eine den 
Indiern eigenthümliche bezeichnet, weil zuerst die rohe Masse 
aufgethürmt und dann erst die Aussenseite von Bildhauerin zu 
künstlerischen Formen gestaltet wurde, so hat er sich in der Ver- 
folgung seiner Ideen verleiten lassen zu viel und desshalb nichts 
zu beweisen. Dasselbe Verfahren fand bei den Aegyptern, bei 
den Griechen, bei den Römern und überhaupt bei allen Völkern 
Statt die massive Monumente von Stein ausführten. Es ist das 
einzig richtige noch jetzt gültige System der Steinkonstruktion. 
Nur die gothischen Baumeister wichen davon ab, Worüber das 
Nöthige an entsprechender Stelle gesagt werden wird, und wir 
sind in Deutschland diesem späten Verfahren treu geblieben, 
(während die Franzosen es Wieder verliessen) wahrlich nicht zum 
Vortheil unserer Technik und des harmonischen Zusammenwirkens 
der Theile des Baues das nie so genau vorher berechnet werden 
kann dass nicht etwas mangelhaft bleiben sollte, wenn das Eine 
zelne in der Werkstatt nach der Chablone fertig gemacht und 
dann stückweise versetzt oder eingefügt wird. Anderer damit 
verbundener Nachtheile nicht zu gedenken. 
Die hier niedergelegte Theorie über den Einfluss des Stucks 
auf die Weiterbildung monumentaler Typen und Stile, auf unum- 
stössliche Thatsachen begründet und unwiderlegbar , ist in ihren
        

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