Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670388
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Viertes Hauptstück. 
deren Innerem der leere mit Elfenbein inkrustirte Thron des 
Buddha stand. Die Seiten des Thrones waren mit Metallplatten 
inkrustirt, auf der einen Seite glänzte die Sonne in Gold, auf der 
anderen der Mond in Silber. Die dritte Seite zierte ein Sternen- 
himmel von Perlen. Üeber dem Throne spannte sich ein weisser 
Sonnenschirm aus. Diese Halle im Innern des Hofes war der Ka- 
pitelsaal des Klosters. "Alle Theile des Gebäudes waren aus den 
wkostbarsten Materialien gemacht und mit reichen Verzierungen 
ngeschmüekt. Die Säulen zeigten reiche Skulpturen von Löwen, 
"Tigern und anderen Thieren, sowie von Göttern." 
S0 lauten die Nachrichtenl über diesen Bau;  von ihm sind 
die Ruinen noch erhalten, und wie zeigen sie sich uns ? der grösste 
Theil der 1600 Pfeiler steht noch aufrecht; es sind Gneisblöcke, 
die nur grob und quadratisch zugeriehtet, zum Theil beinahe ganz 
roh gelassen sind, wie sie aus dem Bruche kamen. Sie erheben 
sich 10 bis 11 Fuss über den Boden, haben 12 Zoll Breite) und 
8 Zoll Tiefe und stehen 8 Fuss weit auseinander. Nur die Eck- 
pfeiler und die beiden Pfeiler zunächst der Mitte sind von den 
übrigen verschieden und von blauem Granit. Letztere sind sorg- 
fältiger ausgeführt. Man sieht dass alle Pfeiler mit einem dicken 
Stueküberzuge bedeckt waren, wodurch die rohen Pfeiler erst ihre 
regelmässige Form und die in der alten Beschreibung erwähnte 
reiche Verzierung erhielten. 2 
Also diese ältesten Monumente Indiens waren reich mit Skulp- 
turen, Mosaik und Farben ausgestattete Stuekaturarbeiten. 
Wer denkt bei diesem steinernen Walde roher Pfeiler, dem 
Ueberreste versehwundener reichester Pracht nicht zugleich un- 
willkürlich an die ganz ähnlichen angeblich druidischen Pfeiler- 
wälder zu Stonehenge und bei Karnak in Bretagne? Sind sie 
nicht vielleicht gleichfalls Gerippe urältester Stuckaturmonumente? 
S0 ist denn wohl für Indien Wenigstens die Anwendung des 
Stucks zu dekorativen bildnerischen Zwecken vor der Einführung 
der Steinbildnerei erwiesen, und dieser Stoff behielt selbst dann 
seine Geltung wie die Steinbildnerei schon längst die Stuckplastik 
ersetzt hatte. Man überzog die Gebilde des Steins mit feinem 
1 The Mahavansi in Roman Characters with the translation suhjoined and 
an introductory Essay on Paly Buddhistical litterature 2 V01. by the hon. 
George Tournour, Esq. Ceylon 1837. 
2 Verg]. Br. Asiatin Society III. 463 sq.
        

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