Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670370
Kunst. 
Textile 
Indien. 
261 
Vom Eingange des 6. Hofes heisst es er sei bogenförmig auf 
sapphirnem Grunde mit Gold und vielfarbigen Steinen ausgelegt 
und sehe aus wie Indraüs Bogen in der azurluen Luft. 
Bei dem wahrscheinlich durch den Uebersetzer verundeiltlichten 
Satze: „der Stuck ist hier handhoch aufgelegt," kann nur an er- 
habene Stuckarbeit gedacht werden, denn sonst böte er gar keinen 
Sinn; damit wäre also aus einer Zeit vor der Entstehung der 
Felsenmonumente die plastische Dekoration in Stuck nachge- 
wiesen, während von der Steinskulptur durchaus noch keine Rede 
ist, wohl aber von der reichsten Polychromie und der Mosaikbe- 
kleidung der Wände.  
S0 ist es in der That, die Wandskulptur in Indien ist zu- 
nächst aus der Stuckaturarbeit hervorgegangen, obschon auch diese 
eine metamorphosirte Technik ist, der die eigentlichste (textile) 
Bekleidung zum Grunde liegt. 
Es gibt in Indien, und es lässt sich mit Zuversicht hinzufügen, 
es gibt in dem ganzen Oriente kein einziges Steinbildwerk aus 
antiker Zeit, das nicht mit Stuck oder Farbe überkleidet gewesen 
wäre. Wo beides sich nicht mehr zeigt, ist es abgefallen 
oder verblichen. 
Will man jenen Gedichten, die zum Theil späteres Maohwerk 
sein mögen, obschon gewiss ist dass sie aus uralten Elementen 
zusammengesetzt sind, oder ihrer Auslegung keinen Glauben 
schenken, so gibt es Monumente aus früher Zeit, aus der Zeit 
des Azoka, welche diesen Gebrauch des Stuckbekleidens in 
seiner ganzen ursprünglichen Ausdehnung an sich darthun; 
Ueberreste dieser urkundlich ältesten indischen Ziegelmonumente 
sind jene Viharas und Chaytias von Behar in der Nähe von 
Gaya; 1 noch interessanter aber sind für unseren Zweck jene 
bekannten Bauwerke des zingalesischen Königs Dushtagamani 
und seines Nachfolgers auf der Insel Ceylon: die Maha- 
stupa, ein kolossales Ziegelgewölbe und das grosse wunderbare 
Werk, die Lohaprasada, das in dem 2. Jahrhundert vor Christus 
erbaute Buddhakloster, ein ursprünglich neunstöckiger 225 Fuss 
hoher Bau, aus Ziegeln ausgeführt, der auf steinernen 12 Fuss 
hohen Säulen ruhte und mit eisernen Dachziegeln gedeckt war. 
In der Mitte ein Hof mit einer von Säulen getragenen Halle in 
1 S. Notes on the Viharas and Chaytias 
Asiat. Society of Bengale. XVI. p. 275. 
of Behar by 
Kittdk. 
Journal 
of
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.