Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670361
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Viertes 
Hauptstück. 
das Bekleidungsprinzip, welches, wie ich behaupte, die gesammte 
antike Kunst beherrscht. 
Ueber das Alter und den Umfang der Sitte die Gebäude- 
theile mit Stuck zu bekleiden geben die Sanskritischen Schriften 
mehrfachen Aufschluss: 
In jener Stelle des Ramajana worauf ich oben hindeutete, in 
der Beschreibung der Stadt Agodhya, die Manu der Vater der 
Menschen selbst erbaut hat, heisst es: Paläste schmückten sie 
von ausgezeichneter Arbeit, hoch wie Berge, und schöne Häuser- 
gab es da in Menge, die aus vielen Stockwerken bestanden, das 
Ganze glänzte wie Indra's Himmel. Ihr Anblick hatte eine be- 
zaubernde Wirkung, die ganze Stadt erhielt durch wech- 
selnde Farbe Lebendigkeit, und regelmässige Laubgänge von 
süssduftenden Bäumen erfreuten das Auge. Sie war voll von 
kostbaren Steinen. Ihre Mauern mit bunten Feldern glichen 
einem Schachbrett u. s. w.1 
Noch deutlicher weist folgende Stelle aus einem alten indischen 
Drama, 2 welches angeblich aus dem 2. Jahrh. vor unserer Zeit- 
rechnung stammen soll, auf den häufigen Gebrauch des Putzes 
selbst bei Prachtbauten hin. Es wird ein Palast von zauberischer 
Pracht beschrieben: "über den Thoren erhebt sich der Bogen von 
Elfenbein und darüber wehen Flaggen mit wildem Safran gefärbt, 
deren Franzen im Winde flattern als winktemsie: Tritt ein, 
Tritt ein!         die Felder der Thür sindx von Gold und 
Stuck und sie glänzen wie die diamantne Brust eines Gottes 
      Siehe da, hier ist ja eine Reihe von Palästen glänzend 
wie der Mond, wie die Muschel, wie der Stengel einer Wasser- 
lilie  der Stuck ist hier handhoch aufgelegt. Goldne 
Stufen, mit verschiedenen Steinen ausgelegt, führen zu 
den oberen Zimmern, von wo krystallene Fenster mit Perlen ein- 
gefasst und blitzend wie die Augen eines vollwangigen Mädchens 
niederschauen.  . .  . 
' Noch phantastischer und zauberhafter ist in dem Mahabharata das Bild 
der Wunderstadt Dovaraka die Visvacarma der himmlische Baumeister auf 
Krischnas Befehl erbaut, welches bei dem Dichter die Kenntniss der Metall- 
inkrustationen, des Mosaiks und der polychromen Stuckbekleidung voraus- 
setzen lässt.  
2 Wilson select specimens of the Theater of the Hindus etc. London 1835. 
V01. 1. p. 82. sqq. 
        

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