Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670327
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Viertes Hauptstück. 
Hier mag noch passende Erwähnung finden, dass die Platt- 
formen, Höfe "und inneren Räume der Wohnungen der Vornehmen 
mit bunfarbigen polirten Marmortafeln belegt und zierlich ge- 
mustert sind, obgleich im Gebrauche über diese Marmorfussböden 
noch reiche Teppiche ausgebreitet werden. 
Die sonst im Oriente seit Alters her so allgemeine Sitte des 
Bekleidens der Wände mit Metallplatten war , wie es scheint, in 
Ühina niemals üblich. Es war fremdländischer Luxus den Kublai 
der Mongolen Chan einführte, als er seinen Palast in Peking auf 
diese WVeise ausstattete. Marke Polo schreibt darüber: dieser 
Palast ist der grösste, der jemals gesehen worden. Die Bedachung 
ist sehr hoch, die Mauern der Säulen und Zimmer sind ganz mit 
Gold und Silber bedeckt und haben Abbildungen von Drachen, 
Vögeln, Pferden und anderen Kreaturen; die Decke selbst zeigt 
nichts als Gold und Malerei etc. etc. 
Ueber die Dekoration der Decken berichtet noch Chambers, 
dass die Chinesen gleich den gothischen Banmeistern öfter ihr 
Zimmerwerk des Daches innerlich unbekleidet lassen und dieses 
sowie die Stützen die es tragen, aus kostbaren Hölzern ausführen, 
indem sie dieselben mitunter mit Ornamenten von eingelegtem 
Elfenbein, Bronze und Perlemutter verzieren.  
Die lehrreichen Mittheilungen dieses Architekten über die An- 
lage chinesischer Häuser und ihren allgemeinen Charakter wer- 
den uns noch in dem letzten Abschnitte dieses Buchs be- 
schäftigen. 
Würden wir phantasmagorisch nach Pompeji zurückversetzt 
wie es war vor 1800 Jahren, manches würde uns dort chinesisch 
vorkommen. 
Indien. 
Die Ansicht derer, welche in Indien die Wiege der Mensch- 
heit und den frühesten Sitz aller Kultur erkennen, die alle Er- 
Endungen von dort ausgehen lassen, streitet nur scheinbar gegen 
die Thatsache, dass die Architektur dieses Landes den unver- 
kennbaren Charakter eines äusserst zusammengesetzten Misch- 
stiles trägt der aus den heterogensten Bestandtheilen zusammen- 
gesetzt ist. Als Mischstil offenbart sich indische Baukunst schon
        

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