Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670316
Textile Kunst. 
China. 
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durch eine Hohlkehle vermittelt, die mit Drachenzähnen gleich- 
sam gespickt ist. Dazu kommt ein eigenthümliehes Tragstein- 
system das sich aus den Säulen astartig entwickelt und beinahe 
zwingt, in der Säule eine Reminiscenz des Zaunpfahls mit dem 
abgestutzten Geäste zu erkennen. 
Weniger phantastieh, sondern der realistischen Idee der Be- 
kleidung mehr entsprechend ist die Vermittlung dieses Ueber- 
gangs durch lambrequinartig geformte Suitixen, die oft an neueren 
Werken vorkommt.  
Ist somit das Prinzip, das uns hier beschäftigt in der Structur 
des Baugerüstes selbst enthalten, so bethätigt es sich noch 
ausserdem durch die totale Inkrustation, in welches 
alle Theile der tektonischen Struktur gekleidet sind, 
obschon hier diese Inkrustation nur in einer reichen Farbendecke 
besteht. Die Säulen sind meistens mit dem schönsten Purpur 
bedeckt; dagegen ist der Spannriegel öfters blau mit schwarzen 
und grünen gemalten Füllungen, auf denen bunte Blumen und 
Arabesken abwechselnd mit vergoldeten Motiven, Inschriften und 
dergleichen vorkommen. Aehnlich ist der Dachrahmen; die 
Sparren oder Dachlatten sind gelb. Die Drachenzähne, die üb- 
rigens der alten Zeit angehören, sind golden auf dunklem Grunde. 
Golden sind auch die knorrigen Antetixen auf den Dächern. 
Die Technik der Holzmalerei, die hiebei angewandt wird, ist 
eine Art Laekiren, das in  33 beschrieben wurde. Absichtlieh 
wurde dort detaillirter darauf eingegangen, weil manche Prozesse 
der antiken Malerei damit verwandt sind. 
Nur an wenigen kaiserlichen Palastpavillons sind die Säulen 
aus Marmor; doch niemals an officiellen Gebäuden, bei denen die 
Vorschrift des Gesetzes hölzerne Säulen Will. 
Die Substruktion: 
Die meistens einstöckigen Pavillons erhalten erst Ansehen und 
Grösse durch die massiven Terrassenbauten, auf denen sie er- 
richtet sind. Innerhalb dieser Terrassen, die oft mit Sockeln und 
Gesimsen versehen sind, die den römischen gleichen, finden sich 
gewölbte Thorwege, die zu anderen Höfen führen. Nur an 
diesen Terrassen zeigt sich die Konstruktion unbe- 
kleidet. Diesem Prinzipe werden wir in der gesamm- 
ten antiken Baukunst wieder begegnen.
        

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