Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670292
Textile 
Kunst. 
China. 
253 
Diese Anordnung findet bei grösseren Wohnungen die mehr als 
ein Zimmer enthalten, statt. Immer aber bleiben die innerlich 
sichtbar vertretenden Säulen die eigentlichen Stützen des Dachs, 
die Mauer, wenn auch solid, ist nur raumumschliessend, oft oben 
der Länge nach offen. 
Zweitens steht die Mauer zwischen den ausseren oder inneren 
Säulen. Dann bildet sie eine Art von Wandsäulenarchitektur, 
die wir in dem Pseudoperipteros der Griechen wiedererkennen. 
Nach der dritten Anordnung steht die Mauer hinter den Säu- 
len; diese Anordnung kommt am häuiigsten bei Kiosks und klei- 
nen Pavillons vor. 
Es ist natürlich, dass dadurch die verschiedenartigsten Com- 
binationen möglich werden, wenn z. B. ein Theil der Säulen frei 
steht, andere in Mauern eingeschlossen sind;  man muss ein- 
räumen, dass die Chinesen trotz der grossen baupolizeilichen Be- 
schränkungen ihres Bautalentes und der Armuth ihrer Motive 
ihren Erfindungsgeist in stets abwechselnden und neuen Ver- 
bindungen der angedeuteten Art bewähren.  .1 
Das 
tektonische 
Gerüst. 
Es würde hier nicht am Orte sein, das struktive Princip der 
chinesischen Baukunst in seiner eigenen Funktion zu entwickeln, 
so wenig wie das Wesen dieses Stils als Gesammtheit darzustellen, 
es handelt sich nur hier zu zeigen, wie das Bekleidungsprinzip 
auch in diesen struktiven Theil eingreift und ihn gleichsam der 
Tektonik streitig macht. 
Das tektonische Gerüst dient zur Stütze und zum Halt der 
inneren Decke einestheils und des äusseren Daches anderntheils. 
Beide letztgenannten Theile gehören wieder prinzipiell und dem 
Stile nach zu den bekleidenden Theilen und zeigen sich auch in 
China als solche vollständig charakterisirt. Die Decke, der innere 
Plafond, ist eine sichtbare Balkenlage mit Brettfüllungen, die 
mehr oder weniger reiche Kassettendecken bilden und oft mit 
Elfenbein, Ebenholz, Perlemutter und anderen Stoffen ausgelegt, 
in bürgerlichen Häusern bunt lackirt sind. (Siehe weiter unten 
die Beschreibung einer Balkendecke nach Chambers.) 
Auch das Dach, die eigentliche äussere Bedachung, zeigt sich 
bei kaiserlichen Bauten, Tempeln und andern Monumenten als 
Decke charakterisirt, nämlich durch buntes Muster aus glasirten
        

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