Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670250
Textile 
Kunst. 
China. 
249 
wurden und eine ziemlich ausgebildete Modellirung mit berech- 
neter Wirkung der Licht- und Schattenparthieen daraus hervor- 
ging. Auf diese Weise werden noch immer lebensgrosse Figuren 
im entschiedenen Reliefstil _ja ganze Friese und zusammenhängende 
Compositionen mit der Nadel und in schönfarbigen Seidenfaden 
ausgeführt. Proben dieser Kunst sah ich im Jahre 1851 in der 
Ausstellung zu London, die mich in Stil und Behandlung so leb- 
haft an die bekannten ninivitiscl1en Flachreliefs erinnerten, dass 
ich seit dem in diesen nichts anderes mehr erkennen konnte als 
eben in den Alabaster übersetzte Teppiehstickerei der alten 
Assyrier, und zwar Reliefstiekerei gleich jenen dem Datum nach 
modernen, dem Stile nach fast antediluvianischen chinesischen 
Tapeten. 1 
Es ist zugleich noch hervorzuheben, dass dieser unzweifelhaft 
in der Stickerei wurzelnde Stil sich in dem in Rede stehenden 
Lande auch auf andere Fächer der Kunstindustrie übertrug und 
in der That ein wesentliches Moment der gesammten ostasia- 
tischen Kunsttechnik geworden ist, das sich auf die verschiedenste 
Weise manifestirt. Die Lackrnalerei und besonders auch die 
Porzellanmalerei Japans und Chinas, desgleichen die Email- 
malerei jener Länder beruht auf der gleichen Methode, eine 
Art Malerei en relief, worüber in dem Hauptstücke Keramik 
unter Porzellan Detaillirteres gesagt werden wird, 
Merkwürdig, dass neben diesem das eigentliche Relief in 
grösserer monumentaler Anwendung eigentlich gar nirgend her- 
vortritt, dass es nur in kleinerem Schnitzwerk, in der Töpferei 
und in der Metallarbeit eine Stelle einnimmt und hier, wie" es 
scheint, aus einer anderen Wurzel hervorging. 
Die Stukaturarbeit, die in Indien, wie wir sehen werden, als 
ein so wichtiges Üebergangsglied zur monumentalen Steinskulp- 
tur auftritt, scheint in China nicht eben stark in Gebrauch zu 
sein; was sich aus der einmal gesetzlichen leichten Bauweise er- 
klären lässt. 
4 Das angeführte Stück chinesischer Stickerei war von dem board of 
Trade unter folgenden Worten ausgestellt: Basrelief specimen of Chinese 
Costume "a lady of rank reelining on a Sopha." Es befindet sich jetzt in 
einem der Zimmer des board. Unter anderen Stickereien sah man auf der- 
selben Ausstellung auch „a feather-painted and embroidered fair"; einen mit 
Federn gestiekten Fächer. 
Semper. 32
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.