Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670221
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Viertes 
Hau 
tstiick. 
zusammengeliigtes Sehrankonwerk, Welches nach der entgegen- 
gesetzten Seite hin Extrem und gleichsam den Uebergang zur 
Zimmerei bildet, auch ganz nach den Prinzipien der Zimmer- 
kunst, jedoch unter strenger Beobachtung des Grundmotivcs und 
mit Rücksicht auf ornamcntale Benützung der Konstruction, aus- 
geführt ist. Dazwischen ein Mittelglied, das sich von beiden Ex- 
tremen ungefähr gleich weit entfernt hält. Jenes erste feinere 
Gitterwerk dient vorzüglich zur Bekleidung des unteren Theiles 
der inneren Wände und besteht dort meistens aus wirklichem 
BambusgeHecht, das entweder in seiner natürlich-goldgelben Farbe 
bleibt, oder buntfarbig lackirt und vergoldet wird. Ausserdem 
vertritt es die Stelle der Thüren und der Fenstergerüste, bei 
welchen letzteren dann nicht selten die Durehbrechungcn mit 
durchsichtigen Muscheln oder auch mit buntem Glase, das dort 
schon in dem dritten Jahrtausende vor Christus zu Fensterschei- 
ben benützt worden sein soll, oder auch mit Papier verschlossen 
werden. In vielen Fällen ist der friesartige freie Zwischenraum 
zwischen der Decke und dem oberen Abschlusse der Wand, von 
dem noch später die Rede sein wird, nach seiner ganzen Breite 
mit Lattenwerk verschlossen, das somit einen wesentlichen Theil 
der dekorativen Ausstattung des Inneren der Häuser bildet. Bei 
mehr monumentalen und solideren Gebäuden ist dasselbe nicht 
selten in vergoldetem Metalle, in edlen eingelegten Hölzern oder 
in Alabaster ausgeführt. 
Die letztgenannte mittelstarkeSorte kommt besonders bei Gar- 
tenpavillons und sonstigen luftigen Gebäuden als äusserer Abschluss 
der Räumlichkeit in Anwendung. Zwischen die Säulen gespannt 
und auf das Brüstungsgehege gestützt, bildet es in seinem zierlich 
abivechselnden Gemuster, wobei eine anmuthige YVillkür sich 
innerhalb geometrischer Grundformen bewegt, die die zu grosse 
Monotonie und Strenge der letzteren bricht, in matter Vergol- 
dung, mit den purpurnen Säulen die es halten und dem blitzend 
grünen Glasurziegeldache über ihm, mit dem weisssehimmernden 
Marmorunterbau und endlich mit dem Azur des Himmels, der 
durchblickt und in welchem der leichte Bau gleichsam schwimmt, 
ein überaus reiches polychromes Ganzes. 1 
1 Mehrere derartige kaiserliche Pavillons sind in glänzender Farbenpracht 
in der oben citirten Sammlung von Originalzeichnungen zu Paris enthalten, 
die eine sehr günstige Wirkung machen.
        

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