Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670212
Textile Kunst. 
China. 
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die auf Veranlassung der Missionäre von chinesischen Künstlern 
für erstere gemacht wurden.  Einige andere Notizen habe ich 
dem interessanten Werke des Sir William Chambers entnom- 
men, des einzigen Architekten, der meines Wissens China im 
Interesse seiner Kunst bereiste und beschrieb. 1 
Rau mal) Schluss. 
Das ursprüngliche Motiv für Raumabschluss, die Hecke, das 
Zweiggeflecht, ist in China zu raffinirtcster Vollendung ausge- 
bildet worden. Die Unnatur ausschweifendster Ornamentik zeigte 
sich schon auf den ältesten Denkmälern der Chinesen, den be- 
rühmten Bronzevasen aus den Zeiten der zweiten Dynastie, (17 66 
bis 1122 vor Christus) gleichsam unmittelbar auf diesen rohen 
Naturstock geimpft, jedoch so, dass letzterer durch die Verkehrt- 
heiten baroker Willkür gleichsam als der Haltung gebende Stra- 
meigrund hindurchblickt. Man sieht, das Gitterwerk bildet die 
Basis der chinesischen Ornamentik, und zwar hier eine ursprüng- 
liche unmittelbar von der Wirklichkeit entnommene Basis; denn 
die Vorbilder dieser ornamentalen Form, (der wir überall wieder 
begegnen werden, aber schon zum Theil in einer Anwendung, 
die sich des Ursprungs derselben nicht mehr bewusst ist,) stehen 
noch heute wie vor 5000 Jahren hier vor aller Welt Augen; 
in den Bambusgittern nämlich, welche in keinem chinesischen 
Bauwerke fehlen und in unendlicher Mannigfaltigkeit des Mu- 
sters, bald mit dichterem bald mit durchbrochnerem Flecht- 
werke, die Räume vergittern und abschliessen , als niedrige 
Brüstungsschranken die Terrassenmauern umgeben, an den Trep- 
pen hinauflaufen oder als niedrige Lambris zwischen den Säulen 
der Pavillons und an den Wänden derselben fortziehen. 
Der Charakter dieser Gitterwerke ist, wie gesagt, äussorst 
mannigfaltig, jedoch lassen sie sich füglich in drei Klassen theilen, 
nämlich eigentliches feines Bambusgitterwerk, das mehr der Textrin 
als der Tektonik sich anschliesst; aus stärkeren Latten geschickt 
1 Sir William Chambers Travels etc. Desselben Designs on Chinese 
bililding. furniture, dresses etc. F01. London. Eine Bibliographie über China, 
in welcher jedoch obige handschriftliche Werke nicht genannt sind, ündet 
man am Ende der Chine moderna ou däscription historique gäographique et 
litfäraire de ce vasta Empire par M. G. Pauthier et M. Bazin. Paris 1853. 
Formant partie de PUniverS pittoresqmle.
        

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