Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670194
mtile 
Kunst. 
China. 
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westasiatisehen, ägyptischen und gräkoitalischen monumentalen 
Kunst nur als längst Erstorbenes erscheint, nur fragmentarisch 
und ausserdem schon in nicht primitiver Weise, sondern trans- 
formirt und mit andern Elementen zu Neuem vereint, sich erhielt. 
Die Elemente der chinesischen Baukunst sind nicht organisch, 
nicht einmal quasi chemisch verbunden, sondern mechanisch neben 
einander gestellt durch keine das Ganze beherrschende Idee zu- 
sammengehalten; oder vielmehr die Idee, die "das Ganze be- 
herrscht, ist eben in der Trennung und selbständigen Thatigkeit 
dieser Elemente ausgesprochen. 1 
Die aussere Oberfläche der Mauer ist hier noch materiell ganz 
geschieden von der Mauer selbst und in der That meistens be- 
weglich. Die Mauer als solche, nämlich als Steinkonstruktion, 
und tragendes, senkrecht stützendes, statisch fungirendcs Ele- 
ment, tritt nur an den oft sehr mächtigen und wesentliche Be- 
standtheilc der chinesischen Baukunst bildenden Terrassen und 
Unterbauten auf, zu denen auch die dheppenanlagen und Balu- 
straden gehören, welche letztere jedoch gleichsam Uebergangs- 
formen zwischen dem Steinbau der Terrassen und den aus der 
Tektonik und der Textrin abgeleiteten Bestandtheilen der von 
den Terrassen getragenen oberen Anlagen bilden. 
In letzteren trägt die Mauer nur ihre eigene Last und dient 
als zwischengespannte Wand zwischen der Holzkonstruktion, 
welche letztere den technischen Zweck hat, das Dach und (1611 
horizontalen oberen Deckenabschluss des Raumes zu stützen- 
DicvMauer selbst ist genau genommen nur eine in Ziegeln 
ausgeführte spanische Wand, ein Tapetengerüst, sie ist so Wenig 
tragendes oder stützendes Glied, soll es so wenig Sein; dass Sie 
vielmehr als seitwärts Eingespanntes und vor dem Umfallen Ge- 
siehertes, Mobiles und von der Last des Daches vollkommen 
Unabhängiges überall sorgfäiltigst symbolisirt wird. 
Das Gerüst selbst, welches die vertikalen und horizontalen 
deckenden Raumesabschlüsse hält, ist ein Gemisch von ltlorinen, 
das eben so sehr der Holzkonstruktion, (Tektonik) wie dem 
Flechtwerk, ('l'extrin,) angehört und in dieser letzteren Beziehung 
wieder lebhaft an die architektonisch behandelten Zaungellechte 
der Neuseeländer erinnert. 
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