Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670187
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ITauptstiick. 
Viertes 
gewinnung und ferneren Sicherstellung des übcrschwvemmten Lan- 
des in so früher Zeit unter dem Kaiser Chun durch Ju, seinen 
Minister und Nachfolger ausgeführt wurden. 
Die Kaiser Jao, Chun und Ju sind die grossen Gesetzgeber 
und Vorbilder Chinas. Unaufhörlich wiesen die Philosophen des 
Landes auf die goldenen Zeiten und die Tugenden dieser Monar- 
chen hin. Jede Wiedergeburt des chinesischen Volkslebens be- 
zieht sich auf die Wiederherstellung der goldenen Zeit der Dy- 
nastie Hia. In der That hat die Geschichte Grösseres nicht auf- 
zuweisen, als was diese drei Begründer des chinesischen Staats 
in drei Menschenaltern vollendeten. 
Aber die Natur lässt sich nicht ungestraft zwingen! Durch 
das Ausserordentliche der Umstände und das Genie dieser grossen 
Staatengründer wurde der chinesische Volksorganismus in seiner 
frühesten Jugend einer Treibhauspßege ausgesetzt und partiell 
zu früher Reife gefördert, Während andere Elemente der Civili- 
sation stehen blieben. Ein früher Verfall rief die antiquarisch- 
politische Partei ins Leben, Welche während 45 Jahrhunderten, 
bis zu heute nämlich, mit kurzen Intervallen das Chinesische 
Reich beherrschte. Durch sie sollte der alte Zustand des goldenen 
Zeitalters der Hia für immer befestigt werden, in der That aber 
wurde durch sie dem Volke die Kraft des geistigen Wachsens und 
Zeugens benommen. So blieben Kastratenzüge, welche spuekhaft 
jugendlich durch Runzeln blicken, das Erbtheil der chinesischen 
Volksphysionomie. 
Es bleibt einer anderen Stelle dieses Buchs vorbehalten den 
allgemeinen Charakter der chinesischen Architektur aus diesen 
und andern Zuständen des Landes zu entwickeln. Er bildet wie 
diese ein Gemisch von Raffinirtheit und ursprünglicher Naivetät, 
und in letzterer Beziehung gebührt ihm diese frühe Stelle in der 
Reihe der Betrachtungen die uns hier beschäftigen. Wenn aueh 
in vielen Theilen durch Späteres und Spätestes getrübt und gefälscht, 
hat sich dennoch hier in China ein uraltes Prinzip des Bauens 
bis auf den heutigen Tag gleichsam lebendig erhalten, (wenn näm- 
lich einem Unorganischen ein metaphorisches Leben geliehen wer- 
den darf,) das über den materiellen Ursprung mancher Eigenthüm- 
liehkeiten selbst der hellenischen Architektur Aufschluss gibt und 
sie erklärt. So tritt uns hier z. B. eine Technik der Wandbereitung 
noch thätig functionirend entgegen, die an den Ueberresten der
        

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