Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670167
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Viertes 
Hauptstück. 
der Zaunwand, besonders an den lilingangsthoren, 
mit buntgemalten Schnitzwerken verziert und zu die- 
sem Zwecke überragen sie die Reihe der Nachbarptiihle. Die 
Skulptur ist hier aus dem Pfahlschnitzwerke her- 
vorgegangen. Die Pfahlköpfe sind durch fratzenhafte Men- 
schenköpfe symbolisirt deren Typus wohl ohne Zweifel die wirk- 
lichen Köpfe erlegter oder geopferter und gefressener Feinde 
waren. Dazu tritt eine bunte Polychromie, eine Nachahmung der 
Ornamente die sich die Neuseelander mit vieler Kunst auf die 
Haut tättowiren, in der That nichts weiter als eine Tättowirung 
der dargestellten knorrigen Popanze. 
Am künstlichsten sind die eigentlichen Wohnhäuser in dem 
Innern dieser Gehege mit Holzschnitzwerk verziert, Wobei das 
Hauptornament die am Giebel sich überkreuzenden Dachfetten 
bilden, die, ähnlich wie an den niedersächsischen Bauernhäusern, 
über den Firsten des Daches hinausragen und wieder mit tätto- 
Wirten Popanzen endigen. Ausserdem bezeichnet Schnitzwerk und 
Polychromie nach dem Prinzipe der lätttowirung auch andere 
Hauptbestandtheile des Hauses z. B. die Thürpfosten und bilden 
diese Elemente der; Verzierung einen nach Umständen sparsamer 
oder reicher vertheilten inneren und äusseren Schmuck desselben. 
Die Bilder sind auch zuweilen selbst Producte der textilen 
Kunst. Sie haben in Oweihi die Form der Brustbilder die „aus 
„einer Art dünnen biegsamen Holzes samrnt dem Halse, Kopf, 
"Nase, Mund und Ohren geflochten sind." 1 
Das Flechtwerk und selbst die Weberei hat bei diesen merk- 
würdigen kulturfähigen Bewohnern der Südseeinseln von weisser 
Race, die ein erobernder Stamm sind, zwar weitere Fortschritte 
gemacht, doch ohne später auf die Architectur einzuwirken, "die 
offenbar schon vorher in formaler Beziehung vollständig geregelt 
und arretirt war. 
Die Ausbildung und vielfältige Anwendung des Schnitzwerks 
in Holz bei diesen Völkern ist um so merkwürdiger, als sie den 
Gebrauch des Metalls vor der Zeit der europäischen Ansiedelun- 
gen nicht kannten. Der Geschmack, den sie dabei zeigen, so 
lange sie im reinen Ornamente verbleiben und keine kalligra- 
phische conventionelle imagines hominum et animalium darstellen, 
1 Klemnfs Kulturgesch. der Menschheit, 
und Reisebeschreibungen anfiihrt. 
ten 
der 
die 
dahin bezüglichen Schrif-
        

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