Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670152
Ku1 
ruseeland 
und 
Polynesien 
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fangen bis zu ihrer äusserstcn Verfeinerung vertreten, und man 
hatte Gelegenheit wahrzunehmen, wie diese Künste bei fast allen 
diesen Völkern zuerst sehr rasche Fortschritte gemacht hatten und 
darauf vielleicht für Jahrtausende stille standen. Dabei glaubt man 
zu erkennen, wie dieser Stillstand in den Fortschritten der tech- 
nischen Künste mit einer Verknöcherung der Civilisation zu einer 
bestimmten Form zusammengcfallen sein musste, die zuweilen in 
einer Art vonrArchitektur und monumentaler Kunst ihren Ausdruck 
fand; letztere entspricht dann dem Standpunkte der technischen 
Künste und unter ihnen besonders der Mutterkunst, der Textrin, 
zu der Zeit wie dieser Moment in dem Völkerleben eintrat, und 
gibt ihn in ihrer symbolischen Formensprache Wieder. 
Dieser Punkt des Stillstandes ist bei dem einen Volke früher 
bei dem andern später, d. h. bei vorgerückterer industrieller Bil- 
dung, eingetreten, bei allen aber zeigt sich dieselbe Abhängigkeit 
aller bildenden Künste von der Textrin. 
Unter den Erscheinungen die darauf hindeuteten, war mir 
keine so auffallend wie das Bauwesen der Neuseeländer, das sich 
wirklich zu einer Art von monumentaler Kunst erhoben hat dessen 
Basis und materieller Hintergrund das ursprüngliche Zaungeilecht 
in seinem reinsten und ungemischtesten Wesen ist. Die Baukunst 
übernahm dieses Motiv hier so unmittelbar aus den Händen der 
Natur wie dieses bei keinem andern Volke sich nachweisen lässt. 
Das Zaungeflecht als Befestigung und Ümfriedigung der Dörfer 
(Pahä) bildet bei den kriegerischen Neuseeländern das Grund- 
motiv aller baulichen Einrichtungen. Solche nach allen Regeln 
der Befestigung auf steilen Hügeln angelegte Gehege sind mit 
einem breiten und tiefen Graben umgeben; der Zaun der hinter 
demselben als Brustwehr dient ist mit Ausfallsthoren versehen, 
wozu man nur auf Irrgängen gelangt auf denen der Gegner noth- 
wendig sich den Geschossen der Vertheidiger blosstellen muss. 
Im Inneren des Geheges sind kleinere Gehege die wieder 
nach denselben Grundsätzen angelegt sind und als Forts inner- 
halb der Hauptmauer sich selbständig halten können. Nach dem- 
selben Prinzip ist zuletzt das einzelne Familienhaus befestigt, 
immer so, dass die Seiten der Umfriedigungen und ihre Zugänge 
flankirt und bestrichen werden können. Der Zaun selbst besteht 
aus starken eingerammten Pfählen zwischen denen Zweige ein- 
geilochten sind, die Pfähle aber sind an gewissen Stellen
        

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