Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670138
Textile 
Kunst. 
Bekleid m 
ngsstoffe 
Baukunst. 
23T 
In der 'l'l1at war die statuarische Plastik eine uralte greko- 
italische Üeberlieferung, in welcher die Hetrusker excellirten, 
durch Welche das alte Rom geschmückt war, die in Athen und 
Korinth seit ältesten Zeiten blühte; dennoch steht fest, dass sie 
mehr von der Toreutik annahm, als die gesammte 
hohe statuarische Kunst von ihr; denn alle plastischen 
Werke des Alterthums sind nach dem uralt asiatischen Inkru- 
stirungsverfahren mit Stuck und Farben überzogen, 1 wovon sie 
den Kern bilden, ganz so wie bei den ältesten empaistischen 
Werken der Metallmantel einen Kern von Holz oder ungebrann- 
tem Thone umgibt; dagegen wissen wir nur von einem indirekten 
Einflüsse, den die Plastik auf die hohe statuarische Kunst in an- 
deren Stoffen übte, indem sie die Modelle lieferte wornach ge- 
arbeitet wurde, und zwar War diess ein Gebrauch der erst nach 
der Zeit der grössten Entwicklung hellenischer Bildnerei allge- 
mein wurde, wenn anders den oft unkritischen Nachrichten des 
Plinius zu trauen ist, der Lysistratus, des Lysippus Schwager, als 
den ersten nennt der den Gebrauch der Thonmodelle in Auf- 
nahme gebracht habe. Früher diente das Wachs zu Modellen 
die für Statuen in Holz, Stein und dergl. irn Kleinen ausgeführt 
wurden, um darnach ins Grosse zu übertragen. Auf ähnliche 
Weise mag der Kern der elephantinen Statuen nach kleinen Mo- 
dellen ausgeführt und sodann mit dünner Wachskruste überzogen 
worden sein, worauf modellirt wurde und die, in Stücken abge- 
löst, bei der Bearbeitung des Elfenbeins zum Modell diente? 
Bei Metallgüssen musste diese Schale von Wachs, nachdem die 
Form darüber vollendet war, herausgeschmolzen werden. 
Dieser flüchtige Ausflug in die Stilgeschichte der Bildnerei, 
über die bei geeigneten Gelegenheiten Spezielleres zu geben ist, 
sollte hier, wie vorherbemerkt werden, nur dazu dienen, ein Bei- 
spiel des Hindurchführens eines Kunstmotives durch verschiedene 
Stoffe und Behandlungsweisen hindurch zu gewähren; zugleich 
lässt er uns auch die Schwierigkeiten erkennen die sich darbie- 
ten, wenn man die Einflüsse Welche eine Technik auf die andere 
1 Siehe unter Indien g. 34. 
2 Quatremäre de" Quincy will das Modell der chryselephantinexi Kolosse 
vorher fertig haben (Jupiter Olympien, S. 397). Ich aber halte die andere 
Methode für leichter und natiirliuher. Die Nachrichten der Alten lassen dar- 
iihei- im Dunkeln.
        

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