Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670054
Textile 
Kunst. 
Prinzip der Bekleidung 
Das 
in 
der Baukunst. 
229 
nungen verrichten, und selbst wo die soliden Mauern nothwendig 
werden bleiben diese doch nur das innere und ungesehene Ge- 
rüst der wahren und legitimen Repräsentanten. der räumlichen 
Idee, nämlich der mehr oder minder künstlich gewirkten und zu- 
sammengenähten textilen Wände. 
Hier tritt nun wieder der bemerkenswcrthe Fall ein, dass die 
Lautsprache der Urgeschichte der Künste zur Hiilfe dient und 
die Symbole der Formensprache in ihrem primitiven Auftreten 
verdeutlicht, die Aeehtheit der Auslegung die ihnen gegeben wird 
bestätigt. In allen germanischen Sprachen erinnert das Wort 
Wand, (mit Gewand" von gleicher Wurzel und gleicher Grund.- 
bedeutungy) direkt an den alten Ursprung und den Typus des 
s i e h tb a re n Raumesabschlusses. 
Eben so sind Decke, Bekleidung, Schranke, Zaun, (gleich mit 
Saum,) und viele andere technische Ausdrücke nicht etwa spät 
auf das Bauwesen angewandte Symbole der Sprache, sondern 
sichere Hindeutungen des textilen Ursprungs dieser Bautheile. 
Alles Vorhergehende bezog sich nur auf vorarehitektonisehe 
Zustände deren praktisches Interesse für die Geschichte der Kunst 
zweifelhaft sein mag, es fragt sich nun was aus unserem Beklei- 
dungsprinzipe wurde, nachdem das Mysterium der Transfiguration 
des an sich ganz materiellen struktiv technischen Vorwurfs, den 
die Behausung bot, in die monumentale Form vollendet war und 
die eigentliche Baukunst daraus hervorging. Es ist hier noch 
nicht der Ort auf das Wie des Entstehens monumentaler Archi- 
tektur, eine Frage von höchster Wichtigkeit, tiefer einzugehen; 
jedoch kann es dazu dienen manche Erscheinungen der ältesten 
Monumentalgeschichte auf die ich sogleich kommen werde leichter 
verständlich zu machen, indem ich hier vorläufig darauf hinweise, 
wie der Wille irgend einen feierlichen Akt, eine Relligio, ein welt- 
historisches Ereigniss, eine Haupt- und Staatsaktion, kommemorativ  
zu verewigen noch immer die äussere Veranlassung zu monumen- 
talen Unternehmungen gibt, und wie nichts im Wege liegt anzu- 
nehmen, wie es sogar unzweifelhaft fest steht, dass auf ganz ana- 
loge Weise den ersten Begründern einer monumentalen Kunst, 
die immer eine bereits vorhergegangene verhältnissmässig hohe 
Kultur und sogar Luxus voraussetzt, der Gedanke daran durch 
ähnliche Festfeicrn gekommen sei. Der Festapparzttus, das 
improvisirte Gerüst, mit allem (ieprängc und Beiwcrke welches
        

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