Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1670014
'l'extile 
Kunst. 
Prinzip 
Das 
der 
Bekleidungä 
Baukunst. 
225 
Nur an einer Stelle seines Werks l gibt er zu erkennen, 
dass ihm der Zusammenhang des Prinzips der Täfelung bei den 
Griechen mit alten orientalischen Traditionen der Kunst nicht 
entgangen war; ich zweifle aber ob er die wichtige Bedeutung 
dieses Umstands, den er nur einen point curieux de Parcheolo- 
gie nennt, erkannt habe. Er verweist bei dieser Gelegenheit auf 
seine Histoire generale de Part des Anciens, welche meines Wissens 
nie erschienen ist. Ebenso wenig hat aber auch Letronne die 
Aufgabe richtig gefasst, ja vielleicht ist er ihr noch ferner geblie- 
ben als sein Gegner; denn anstatt in dem sehr häufigen Vorkom- 
men wirklicher Tafelgemälde, seien sie nun auf Holz, Stein, Terra- 
kotta, Schiefer, Glas, Elfenbein oder Metall gemalt, in Verbindung 
mit Wanddekoration nur Ausnahmsfälle zu sehen, hätte ihm diess 
Veranlassung geben müssen den Zusammenhang dieser Erschei- 
nung, die für die Früh- und Spätperiode der hellenischen Kunst die 
gewöhnliche ist, mit der Natur des Wandverzierungsprinzips der 
Alten und mit dem eigentlichen Wesen der klassischen Kunst 
naehdrücklichst hervorzuheben. Er musste zunächst mit dieser 
sehr verbreiteten Methode des Inkrustirens der Wände mit Schil- 
dereien die noch auffallendere Thatsache in Verbindung setzen, 
dass alle Skulpturen Welche (als nicht zum eigentlichen Orna- 
mente gehörig) die Monumente der Alten zieren, dem Prinzip 
nach und meistens auch in Wirklichkeit gleichfalls eingesetzte 
Tafeln sind und hierauf fussend Weiter folgern. 
Diese Tradition der Inkrustirung erstreckt sich in der That 
auf die Gesammtheit der hellenischen Kunst und beherrscht vor 
allem das eigentliche Wesen der Baukunst, indem es sich keines- 
wegs allein auf die Weise der tendenziös-dekorativen Ausstattung 
der Flächen durch Skulptur und Malerei beschränkt sondern die 
Kunst form im Allgemeinen wesentlich bedingt; beides 
aber, Kunstform und Dekoration, sind in der griechi- 
schen Baukunst durch diesen Einfluss des Flachen- 
bekleidungsprinzips so innig in Eins verbunden, 
dass ein gesondertes Anschauen beider bei ihr un- 
möglich ist. Auch hierin bildet sie den Gegensatz zu der 
barbarischen Baukunst, in welcher dieselben Elemente, nämlich 
Peintures 
inädites etc. 
346. 
Anmerkung 4. 
Scmper.
        

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