Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1667485
Bezügliche enthaltene Stoff, den die Wissenschaft und die Forschung 
zusammentrug, ist uns bereits hoch über den Kopf gewachsen, so dass 
es inmitten dieses Reichthums schwer ist sich zu orientiren und Rich- 
tung zu halten. 
Um letzteres zu erleichtern wurde der überreiche Stoff in viele Fächer 
getheilt und aus jeder Rubrik eine abgeschlossene Lehre gebildet. 
Du gibt es, der vielen hülfswissenschaftlichen Werke nicht zu ge- 
denken, einc erdrückende Masse von Kunstästhetiken und Geschichten der 
Kunst; die Fülle der Spezialitäten über einzelne Vorwürfe und Aufgaben 
der Künste, namentlich der Baukunst ist unübersehbar. Wir Deutschen 
sind unerschöpflicheProducentcn solcher "bürgerlichen Baukunden," "Land- 
baukunden," "Kirchenbaukunden," Anweisungen über Holzarchitektur, über 
Ziegelbau, Quaclerbau etc. etc.  Wogegen dic Engländer und die Fran- 
zosen sich mehr mit der eigentlichen Technik der Künste mit Erfolg 
beschäftigten. 
Diese Werke enthalten unentbehrliche Schätze des Wissens und der 
Erfahrung, allein das mehr trcnnende als verknüpfende und vergleichende 
Princip dieser Spaltung des Stoffs in eine Menge von Wissenschaften 
und Lehren, deren Kenntniss von dem gebildeten Künstler unserer Zeit 
verlangt wird, trägt nur dazu bei unsere moderne Kunstzerfahrenheit 
noch zu vermehren, oder vielmehr diese Vielseitigkeit bildet eins von 
den Symptomen jener höheren Nothwendigkeit die über uns und unser 
künstlerisches Streben verhängt ist. 
Dem Gesagten entsprechend, sieht man um bei der Baukunst zu 
bleiben, diese alle möglichen Richtungen einschlagen, unter denen sich 
3 Huuptschulen hervorthun, die den 3 Formen, worunter sich die Wis- 
senschaften mit der Kunst beschäftigen, entsprechen; nämlich: 
a) Die lilateriellen, unter dem Einfluss der Naturwissenschaften und 
der Mathematik. 
b) Die Historiker, unter dem Einiiuss der Kunstgeschichte und der 
antiquarischen Forschung. 
e) Die Schematiker, Puristen etc. unter dem Einfluss der spekula- 
tiven Philosophie. 
Die 
Materiellen. 
Wohl am mächtigsten haben diejenigen Lehren auf unsre Kunstzu- 
Stände eingewirkt, welche Anweisung geben den Stoff zu baulichen und 
struktiven Zwecken zu bewältigen. 
Sie entsprechen der allgemeinen praktischen Richtung unserer Zeit 
und werden unterstützt und getragen durch die grossartigen Bauunter- 
nehmungen die besonders das Eisenbahnwesen veranlasste. Sie trifft 
im Allgemeinen der Vorwurf die Idee zu sehr an den Steif geschmiedet
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.