Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669924
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Viertes 
Hauptstück. 
Aber auch die männliche Tracht des modernen Europa, die 
Tracht der Beinkleider nämlich ging aus dem Schurz hervor, der 
schon bei den Aegyptern saekförmig gestaltet und mit Löchern 
für die Beine versehen vorkommt, sogar als Pluderhose, jedoch 
mit seltsamster Steifung der symlnetrisehen Falten. 1 
Das Hemd bestand bei den Aegyptern aus einem elastischen 
kreppähnlichen Stoffe, der sich eng an die Körperformen an- 
schloss, nach Art der Trikots. Ein heindähnliches Gewand von 
sehr dünner Leinwand oder Mousseline und Weit, diente vornehmen 
Personen als Oberkleid; aber in beiden Anwendungen War der 
freie Faltenwurf vermieden. 
Dieses Motiv blieb offenbar bei den Aegyptern unentwickelt, 
es entfaltete sich dagegen in aller seiner Pracht bei den Assyriern, 
deren Bekleidung hauptsächlich aus dieser Grundform hervorging. 
Sie trugen mehrfache Hemden oder Tuniken übereinander, ver- 
schieden an Stoff und Farbe, das unterste war Leinwand, (lag 
obere Wolle. 2 
Doch War der Chiton der Assyrier ebenfalls eng und ohne 
freies Faltenspicl, bald kürzer bald bis zum Knöchel reichend 
und sogar nachschleppend; er erweiterte sich bei den ionischen 
Griechen Kleinasiens 3 und gestaltete {sich hier und in Attika zu 
vollster Kunstform, besonders als Bestandtheil der weiblichen 
Tracht. Anders und noch ursprünglicher motivirt war der dorische 
Chiton, an beiden Seiten offen, oder nur an einer Seite ganz oder 
zum Theil geschlossen. Die italische Tunika war von dem 
Chiton Wenig verschieden. Der asiatische doppelte Chiton hat 
sich in der katholischen Priestertracht vollständig erhalten. 
Das dritte Hauptmotiv, der Ueberwurf, war bei den Aegyptern 
quasi aus der Garderobe ausgeschlossen, denn WO er vorkommt, 
bildet er, eine Art von Schurz oberhalb des Chiton und fällt er 
daher in die Kategorie des Schurzes. Herodot nennt diesen Ueber- 
zug der Aegypter Kalasiris.  
Der Üeberwurf fand auch in Asien nur unvollkommene Ent- 
Wicklung. Er blieb unter allen Umständen ein Umschlagtuch, 
das heisst, man wickelte den aus feinsten buntgewirkten und ge- 
1 Ich halte den eigenthünllichen 
Art von Pluderhose. 
2 Herod. 1. 195. 
3 Harpyengrab im br. Museum. 
Pharaonenschurz 
dreieckigen 
für 
eine
        

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