Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669882
212 
Viertes 
H zu 
lptstüuk. 
beiden noch grösser, wenn man dieselbe von dem allgemeinen 
kulturgeschichtlichen Standpunkte aus anstellt. 
Sie zeigen sich dann, in Gemeinschaft mit allen anderen Lei- 
stungen und Sonderheiten der Völker, stets als Emanationen eines 
besonderen Kulturgedankens, der sich gleichmässig klar in ihnen 
allen abspiegelt und ausspricht.  
Die Beschreibungen der Kostüme oder vielmehr die kurzen 
Andeutungen darüber in den uns überlieferten schriftlichen Ur- 
kunden der Völker würden uns keine nur einigerinassen deutliche 
Kunde von der ihnen eigenthiimliehen Kleidung, Bewaffnung und 
körperlichen Pflege und Ausschmückung verschaffen, wären uns 
nicht zugleich die Darstellungen dieser den körperlichen Kult be- 
treffenden Gegenstände an Statuen, an Monumenten, an Geräthen, 
an Gefassen und sonst erhaltenf Ihr Studium ist also auch in 
dieser Beziehung auf das Engste verbunden mit dem Studium der 
bildenden und technischen Künste und insbesondere mit dem 
Studium der Baukunst der verschiedenen Völker. In Berücksiell- 
tigung dieses mehrfachen engsten Connexes zwischen dem was die 
Kostümkunde betrifft und der Monumentalgeschiehte, und zur 
Vermeidung unnöthiger Wiederholungen, verweise ich daher hier- 
über auf den zweiten Theil dieser Schrift, der die Verschiedenheit 
der Baustile mit der Verschiedenheit der gesellschaftlichen Zustände, 
die unter den Völkern herrschten, in Parallele stellt. Ueberdiess 
sind in der Vorrede darüber schon einige Andeutungen gegeben. 2 
Unser alter Rhopograph Böttiger hat auch in Beziehung auf 
die Kestümkunde der alten Völker unter Allen die darüber 
schrieben das Meiste geleistet und seine Schriften über diesen 
Gegenstandsind, abgesehen von der Gelehrsamkeit von Welcher 
sie strotzen, merkwürdig wegen des Scharfsinnes und des richti- 
gen Gefühls der Antike, das sich darin ausspricht. Dass sie 
vor der gcnauern Bekanntschaft mit den ägyptischen Denkmälern 
1 Diess gilt nicht von dem Alterthum allein, sondern hat gleichmässig 
seine Richtigkeit für das Kostümwesen des Mittelalters und aller Jahrhunderte, 
von dem wir ohne die erhaltenen Darstellungen auf Kunstwerken nur eine 
sehr dunkle und verworrene Vorstellung hätten. 
2 Vergl. auch darüber den Aufsatz: Ueber die formelle Gesetzmässigkeit 
des Schmuckes und dessen Bedeutung als Kunstsymbol, von G. Semper. 
Zürich 1856. Abgedruckt in der Monatsschrift des wissensch. Vereines zu 
Zürich und einzeln zu haben bei Meyer und Zeller in Zürich.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.