Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669847
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Hauptstück. 
Viertes 
ihren Naturton und man hütete sich aus den natürlichen Pro- 
dukten den abstrakten Färbestoif hcrauszudostillircn und ihr so 
alle Individualität zu nehmen. 
Man versuchte auch Mischungen und Vermählungen zwischen 
beiden ; z. B. präparirte man tyrisehen Purpur mit Coeeus, woraus 
eine Farbe hervorging die hysginuml hiess. Doch tadelt Plinius 
diess als eine Ueberfeinemng. 
So verknüpfte ein doppeltes Band die künstlich gefärbten 
Stoffe unter sich und mit der Natur, indem letztere im Stoffe und 
in den Farben ihr besonderes Gepräge behielt. Disharmonien 
waren auf diese Weise unschwer vermieden und die herrlichsten 
Wirkungen des Gleichgewichts der Blarben sowie der Kontraste 
erleichtert und vorbereitet. Dieses klassische Prinzip des Fär- 
bens reflektirt sich deutlich in den Benennungen der Farben- 
nüancen die bei Kleidern, Teppichen und sonst die beliebtesten 
waren. Abstrakte Farbenbenennungen, wie roth, schwarz, gelb, 
blau, grün etc. sind selten, immer hat die Farbe ein bestimmtes 
Naturphänomen zum Vorbilde. Besonders bezeichnend ist in 
dieser Beziehung folgende Beschreibung die uns Ovidius von 
dem römischen Longchamp am Ufer der Tiber gibt: "Der 
"schönste Frühling konnte unter dem sanften Himmel Lusitaniens 
„die Fluren nicht mit mehreren und schöneren Farben kleiden, 
„als jetzt die Fluren an der Tiber schmücken, wenn der Früh- 
„ling unsere Schönen zum Spaziergange herauslockt. Es fehlt 
„an Namen um alle diese Farben zu unterscheiden. Die paphisehe 
"Myrte oder das dunklere Laub der Eiche, der Mandelbaum, das 
„Wachs müssen der Wolle Farbe und Namen geben. Die weisse 
"Rose muss sich übertroffen sehen. Hier tritt die Farbe der Luft 
„hervor, wenn kein Gewölk sie trübt, dann fliesst der Blick von 
"dieser Farbe zu der des Wassers hinüber. Dort bricht, sicher alles 
„zu verdunkeln, gleich der Göttin des thauigen hlorgens, das liehtere 
"Roth hervor, in seinem Gefolge ist die Farbe des goldenen Flieses 
"und des tiefgesättigten Amethyst. So vielfältig schimmert nicht der 
"Nymphen Reigen in seinen manniehtaehen Gewändern und ver- 
„einigten sich aus dem Meere, aus Quellen, Wäldern und Bergen 
"alle Göttinen und alle Farben, denen sie und die Natur gebieten. 2 
Das Türkischroth oder etwas Aehxxliches. 
Meierotto über Sitten und Lebensart der Römer, II. S. 213. 
vol. VIII. S. 131,0 ff. Ovid. de arte am. 3, 165.  
Graev.
        

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