Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669828
206 
Viertes 
Hauptstück. 
Meers auf mannichfaltigste aber natürlichste Weise nüancirt und 
zum Theil in die entgegengesetztesten Farben, in Roth, Gelb und 
Blau, umgearbeitet wird, die aber alle durch einen und denselben 
Wunderbar milden aber zugleich tiefen und austeren Familienzug 
verbunden sind. Man gehe durch ein Conchylienkabinet und ver- 
gleiche alle die hundertfältigen Töne vom Hochroth durch das 
Violett zum Blau, vom Blau durch das Meergrün zum Seegras- 
gelb, vom Gelb durch alle Nüancen zum Weiss, das auch vom 
Blau und vom Roth aus erreicht wird, immer seine nhue" als 
Seeweiss behält und in der Perle seine Glorie feiert, die alle 
drei Grundfarbcn und alles Dazwischenliegende in sich fasst und 
abspiegelt:  hat man sich von der wunderbaren. Harmonie 
zwischen den Farben aller dieser Seeprodukte überzeugt, oder sie 
noch grossartiger in der ewig wechselnden Farbenpracht des 
Meergrundes erkannt der alle diese Produkte schuf, dann weiss 
man auf einmal. klar was die Alten unter Purpurfarben verstan- 
den und wie Schwarz, Violett, Roth, Blaugrün und Gelb, selbst 
Weiss unter Umständen und bei bestimmter Abtonung dazu zu_ 
rechnen war. Drei Stoffe dienten den Alten hauptsächlich zu 
der Bereitung dieser Farben, 4 Seegewächse verschiedener Art; 
und zwei Gattungen von Meermuscheln; die eine, buccinum, 
Gr. keryx, fand man an Klippen und Felsen; die andere, pur- 
pura oder pelagia, wurde durch Köder in dem Meere gefangen. 
Sie fanden sich beide in grosser Menge in dem ganzen Mittel- 
meere und selbst in dem atlantischen Ocean, sowie in dem per- 
sischen Meerbusen. In der Güte der Farbe und in den Farben 
selbst waren sie nach den Fundorten verschieden. Die Muscheln 
des atlantischen Oceans gaben den schwärzesten, die an den 
italischen und sicilischen Küsten einen violetten, die phönikischen 
und die der südlichen Meere einen hochrothen Purpur. 
Die Phönikier werden als die Erfinder dieser Färberei ange- 
geben, durch sie verbreitete sich der Geschmack und die Vorliebe 
für den Purpur über Europa, Afrika und Asien. Sie blieben 
keineswegs im alleinigen Besitze dieser Industrie, aber sie sahen 
sich im Stande, durch die Umstände begünstigt, sie zu einem 
' Plin. H. N. IX. 36. Sed unde conchyliis pretia? quis virus gravis in 
fuco, color austerus in glauco, et irascenti similis mari?  A. Schmidt nimmt 
an Plixlius habe hier auf den Gestank dieser Farben hingedeutat: mit wel- 
chem Rechte, bleibe dem Leser zur Entscheidung überlassen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.