Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669787
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Hauptstück. 
Viertes 
positionen erfanden, wie schon die Kunst sich vom Handwerke 
zu trennen anfing. Vor dieser Trennung waren auch unsere 
Aeltermütter zwar keine Mitglieder der Akademie der schönen 
Künste noch Albumsammlerinnen noch hörten sie ästhetische Vor- 
träge, aber sie wussten sich selber Rath, handelte sich's um die 
Zeichnung zu einer Stickerei. Hier sitzt der Knoten. 
ä. 56. 
Das Färben, Drucken etc. 
Das Beitzen und Färben der Haut gehört zu der merkwür- 
digen Gruppe von Erfindungen deren Mutter nicht die Noth 
sondern die reine Lust ist und die zu den allerfrühesten gehören, 
weil gleichsam der Instinkt der Freude sie dem Menschen ein- 
blies. Die Lust an der Farbe ist früher entwickelt als die Lust 
an der Form; selbst das niedrig organisirte Insekt freut sich am 
Sonnenglanz, an der Flamme und an den Kindern des Lichts 
den glänzenden Blumen des Feldes. 
Die einfachsten Färbestotlfe, d. h. diejenigen die am nächsten 
zur Hand liegen, sind die Pflanzensäfte; auch sah der Natur- 
lnensch nirgend Deckfarben sondern überall die Farbe als un- 
zertrennlich von der Form, diese durchdringend: das Färben 
ist natürlicher und leichter, daher auch ursprüng- 
licher als {das Anstreichen und Malen. Diese Thesis 
enthält ein sehr wichtiges Moment der Stiltheorie, Worauf ich bei 
der Entwicklung meiner Auffassung der Polychromie in den bil- 
denden Künsten der Alten öfter zurückkommen werde. _ 
Zu dem Färben gesellte sich zeitig die Praxis des Beitzens, 
denn das Streben nach dauerndem Genuss ist so alt 
wie der Genuss. 
Unsere Chemiker wissen trefflich zu erklären, wenigstens ex- 
perimentalisch nachzuweisen, wie gewisse Salze und Laugen auf 
die färbenden Stoffe reagiren indem sie ihre Farben verändern, 
zugleich das Einsaugen derselben in die zu färbenden Stoffe und 
ihre Aeehtheit fördern; grosse Vortheile zog die neueste Schön- 
färberei aus diesen Fortschritten der Wissenschaft, aber es bleibt 
ungewiss 0b nicht selbst hierin, ich meine in dem Reintechnischen 
der Färberei, von allen Geheimnissen der Nüancirung und der Be- 
festigung der färbenden Steife das früheste Alterthum, der Schön- 
Pzirber des alten Reiches von Aegypten und des uralten Chaldäa,
        

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