Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669774
Kunst. 
Textile 
Processe. 
Sticken. 
201 
keit den Eekel zu erwecken. Die mittelalterlichen Stickereien 
und gewirkten Stoffe, vorzüglich diejenigen die_ im 14. und 15. 
Jahrhundert in Italien und in den übrigen europäischen Fabriken 
gemacht wurden, sind häufig mit diesem Stilfehler behaftet; man 
sieht Engelgruppen die einen Kelch halten, Madonnen und alle 
Heiligen, auch sonstige mystische Symbole in regelmässigen Ab- 
ständen und steter Wiederholung über die Fläche zerstreut und  
an die Stelle der alten Fabelbestien Asiens gesetzt, deren erna- 
mentale Wiederholung wir uns fast leichter gefallen lassen. Diesen 
gothisehen Unsinn sollen wir, so will cs eine kleine aber mäch- 
tige Partei, heutzutage wieder aufnehmen; aber wir lassen uns 
über ihre keineswegs rein ästhetischen Tendenzen nicht täuschen, 
sondern bleiben wahrlich sogar lieber bei unsern lilalakoifthürmen, 
Sonnentempeln und sonstigen Tapetenmotiven die nicht geschmack- 
aber harmloser sind. Diese tendenziöse Monotonie ist absolut ver- 
werflich, bei Handstickereien, wo sie vermieden werden kann, bei 
gewebten Stoffen und Tapeten wo sie unvermeidlich ist so wie 
man tendenziös sein Will. 
Die leichtere Kunst des Kanevasstickens ist bei unseren 
Damen (namentlich für Wollstickerei) die gewöhnliehste und 
beliebteste. Was die zuerst genannte Stickerei charakterisirt 
ist für diese letztere stilles, aber eben desshalb verfällt unser 
verschrobener Geschmack auf die Darstellung der abenteuerlich- 
sten Naturnachahmungen in freiester Anordnung mit wild natura, 
listischer Auffassung gerade bei einer Technik die das Gegentheil 
von_allem diesem will. Es wäre vergeblich darüber sieh zu er- 
eifern, die Stiekmustcrzeichnung ist einmal in schlechten Händen 
und schwerlich würde ein achter Künstler heutzutage sein Glück 
machen der, wie jener alte wackere Kupfersteeher Sicbmaeher, 
ein wahres Musterbueh für Strameistickerei herausgabeß  
Doch gehörte dieser Meister, so wie seine Kollegen Altdorfer, 
Aldegrever, Pens, Beham, Virgilius Solis, 'l'he0d0r de Bry, Jean 
Collaert, Etienne de Laulne genannt Stephanus, Peter Woeiriot und 
die anderen petits maitres schon einer Zeit an in welcher die aus- 
übenden "Fechniker nicht mehr wie früher sich selbst ihre Kom- 
1 Siebmachers Compositionens ind zum Theil in Reynards Reproduktionöh 
där Kleinmeister wiedergegeben, Sie sollte ein Biodejournalist Benützen oder 
noch besser kopiren und seinen Abonnentinnen statt der schlechten Sachen 
die man letztem jetzt bietet v0rlege_n._     
Somper. 26
        

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