Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669747
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Hauptstück. 
Viertes 
auf den spätern Reliefs sehen wir nur quadrirte und andere zwar 
reich aber regelmässig gemusterte Kleider aus buntgewebten 
Stoffen. Von den Chinesen wissen wir dass ihre ältesten Fa- 
brikate glattc (schlichte ungemusterte) Stoffe waren, die mit Fe- 
dern erst bunt bestickt wurden. 
[Aber es bedarf kaum solcher geschichtlichen Nachweise eines 
Sachverhaltes der sich gewissermassen von selbst versteht. Ich 
wiederhole, das Nähen ist älter als das Weben und das erstere 
führte auf die Idee des Stickens, die viel früher auf Leder und 
Bauinrintle als auf eigentlichen Geweben ausgeführt wurde. 
Diese selbst und desshalb um so mehr ihre spatern iigurirten 
Ausbildungen sind daher spätern Ursprungs als die gesticktem 
Tegumente.  
Diese Fragen können für die Praxis gleichgültig erscheinen; 
dem der in allem was zur Kunst gehört den innigsten Zu- 
sammenhang zu erkennen. weiss und die künstlerische Auffassung 
als die Höhe der Praxis betrachtet, sind sie es nicht. Doch wen- 
den wir uns zu andern Betrachtungen, die in unmittelbarem Be- 
zuge zu der Praxis stehen und handgreiflicher sind. 
Ich will nicht erst zurückrufen, dass der Stil der Stickerei 
sich nach dem Stoff zu richten habe, auf dem und womit ge- 
stickt wird, dass z. B. die Stickerei auf einer rothen Hirschleder- 
hose oder auf einem Tabaksbehälter von gelber Ahornrinde ver- 
schieden sein müsse von einer Stickerei auf Kaschmirstoff oder 
auf lweissem durchsichtigem Mousseline, (obschon moderne Fa- 
brikate dieser letztern Art, worauf sich namentlich die Schweizer 
vieles einbilden, unter zahllosen andern Beispielen unsäglich ge- 
schmackloser modernsterzAkupiktur die Grenzen dieser Unter- 
schiede durchaus nicht zu erkennen gcben,) denn die Gesetze 
die hier obwalten gehören mehr in den Bereich des Stils soweit 
er vom Stofflichen und vom Zwccklichen abhängt und sind da- 
her zum Theil schon in dem Vorhergegangenen, welches den 
Stil von diesen Seiten behandelte, berührt werden; nur das sei 
noch in Bezug auf diese Unterschiede, die immer auch durch die 
in Frage kommenden Prozeduren in etwas bedungen sind, be- 
merkt, dass feste und derbe Stoffe worauf gestickt wird verhält- 
nissinässig grobe Stiche erheischen die mit Fäden ansgeüihrt 
sind deren Stärke dem Grunde entspricht, dass ihnen eine dichte 
und volle Stickerei, aber den feinen schleierartigcn (ilrespinnsten
        

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