Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669739
'l'extile 
mst. 
Processe. 
Sticken 
197 
und frühen Einwirkens der Künste der Nadel und des Web- 
stuhls auf den Stil und den Entwicklungsgang aller bildenden 
Künste erkennen? 
Die Methode des Quadrirens der Wandflächen um in die 
Quadrate die Darstellungen hineinzutragen, wie sie in Aegypten 
von Alters her geübt wurde, kennen wir aus Bildern die unvoll- 
endet blieben und deren Netzwerk sich erhielt.  Die Skulptur 
und Malerei der Aegypter war eine auf Wänden ausgeführte 
Stickerei im Kreuzstiche mit allen stilistischen Eigenschaften der 
letzteren;  die seit Urzeiten in Asien übliche Technik der 
Malerei und Skulptur dagegen entspricht vollkommen demjenigen 
Stile welcher der Plattstickerei angehört. 
Die Archäologen haben in den {igurirten Stoffen auf welche 
häufige Stellen der ältesten heiligen und profanen {Bücher an- 
spielen und deren Bereitung Xmehrfach beschrieben oder doch 
angedeutet wird, nur künstliche Gewebe und keine Sticke- 
reien erkennen wollen und daraus gefolgert dass letztere, das 
opus Phrygionium, eine verhältnissmässig neue Erfindung sei.' 
Ich glaube nicht daran, sondern vermuthe eine einseitige Aus- 
legung von Ausdrücken Wie ainmirmsuy, ajurzozufllszw, ygrizpezv, 
witpafvsev etc. die vielsinnig sind und sich auf Weberei, Stickerei, 
sogar auf Malerei und alle möglichen andern Darstellungsweisen 
beziehen lassen. Die Kunststickerei ist sicher älter als die Kunst- 
weberei,2 wenn man das Darstellen von Figürlichem und von 
Argumenten durch Fäden auf Geweben darunter versteht; dafür 
aber mag die Buntweberei vielleicht früher entstanden sein als 
die Bu n tstickerei, d. h. als das einfache gestickte Muster, welches 
als Nachahmung des gewebten Musters gelten kann und der Vor- 
schrift des gewebten Netzes folgt. Die assyrischen Reliefs sind auch 
in dieser Frage für uns von grösstenl Interesse, denn die ältern 
stellen uns nichts wie gestickte und zwar reich mit Argumenten 
in dem opus plumarium ausgeführte Gewänder vor Augen; aber 
' Biittiger, Vasengenl. 3. Heft 89. Hartmann die Hebräeriu am Putztischc 
llI. p. 14]. Vergl. jedoch Goguet. Origine des Lois II. p. 108. 5310138. 1T. 
A. 1h. .511, 126, 127, 2-24, 311, 394, 894, sss. Schneider ad Scrpt. R. Rllst, 
in Indice p. 36077-61. 
Marti 
n] XIV. lüpigr. 50. 
Haec tibi Memphitis tellus dat 
Pcctine Nilinco jnm Babylonis 
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