Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669647
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Viertes 
HaI 
lptstück. 
zeigen und auf einem Grunde, der aus Geflecht besteht (s. Fig. 9). 
Das Muster ist auf diesem Grunde oder Netze mit dem Weber- 
stiche (clothing stitch) ausgeführt. 
Die mecheler Spitze zeichnet sich durch die Umrisse aus, 
Womit die Muster umzogen sind; diese sind im Weberstiche aus- 
geführt und der Grund ist geflochten. 
Die brüsseler Klöppel-Spitzen zeichnen sich aus durch relief- 
artige Behandlung der Muster. 
Ein besonderes charakteristisches Fabrikat sind die irischen 
Spitzen, welche aus einem unregelmässigen Netzwerk mit unter- 
mischten Knotenpunkten "bestehen und das Netzwerk der Pflan- 
zenfasern nachahmen, wie dieses sich zeigt, wenn man eine dünne 
Scheibe eines getrockneten Holzstalnms durch die Lupe oder 
das Mikroskop betrachtet. 
Auf ähnlichem Grunde _werden auch reiche Muster ausge- 
führt. Diess charakterisirt die Honiton-Spitzen. Sie sind von 
ausnehmendei" Wirkung. Man ahmt die irischen Spitzen auch 
mit der Häkelnadel nach. 
Seidene Points und geklöppelte Spitzen werden Blonden 
genannt. Die besten sind die französischen. Ihnen zunächst 
stehen meines Wissens die erzgebirgisehen.  
Doch genug von diesen zarten und kunstvollen Produkten 
der Hyphantik. Das Grundgesetz des Stiles für dieselben, soweit 
letzterer durch die Funktion und den idealen Dienst, den sie 
leisten, bedungen ist, erscheint als das einfachste von der Welt 
und ist dadurch vollständig definirt, dass sie ornamental be- 
handelte Säume und Nähte sein sollen. Ihr Stil richtet 
sich daher zunächst nach den Stoffen, die sie umsäumen oder 
garniren sollen. Sodann nach der Person, die sie trägt, der Ver- 
anlassung, Wobei sie zum Putze gewählt werden etc. etc. Desto 
schwieriger und verwiekclter ist für sie jede Stiltheorie, so weit 
diese die Proeesse berücksichtigen Will, die alle zu ihrer Verferti- 
gung bereits erfunden sind und noch erfunden werden könnten. 
Das Geflecht trat schon in den zuletzt genannten Produkten 
als fläehenbereitend auf; diesen Zweck erfüllt es noch ent- 
schiedener in der eigentlichen Matte. (Der geflochtenen Decke.) 
Die geflochtenen Decken haben vor den gewobenen den 
ansschliessliehen Vorzug, dass die Fadenelemente, Woraus sie be- 
stehen, sich nicht nothwendig- alle senkrecht durchkreuzen müssen,
        

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