Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669509
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Viertes 
Ilauptstück. 
rücksichtigen. Goldbrokate und Damastc sind anders zu mustern 
als Sammtgewebe, wenn sie auch in Beziehung auf Schwere des 
Stoffes einander gleich kommen: der Sammt muss wie jene grossblu- 
mig, aber mit leichterem Rankenwerke bedeckt werden, damit sich 
der Grund in seiner Eigenthümlichkeit entfalten könne. Von beiden 
gänzlich abweichend sind zarter Atlas, Talft und Sargegewebe zu be- 
handeln. Für alle gemeinsam gilt die Regel, dass das Muster sich 
nach der Grösse des F altenwurfes und seiner Modalität zu richten 
habe,  abgesehen von noch anderen Rücksichten, nämlich der 
Bestimmung, der Umgebung etc. 
Der Orient war von jeher in diesen stcfflich-materiellen Stil- 
feinheiten unser Lehrer; sehr barok, wenn auch in einigen Fällen 
überraschend und selbst schön, waren'die Einfälle des Mittelalters, 
aber zum Selbstbewusstsein gelangte man selbst auf diesen unter- 
geordneten Gebieten der Kunstlehre erst um die Mitte des 15_ 
Jahrhunderts. (S. oben.) 
Die oben bezeichnete grosse Vervollkommnung der Sammt- 
fabrikation trat erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts ein. Vor- 
her hatte man den Sammt meist uni gehalten, er war" leicht und 
immer noch plüsehartig. Die Italiener brachten nun den dichten, 
niedrig geschorenen Sammt in Aufnahme und im Laufe der fol- 
genden Jahrhunderte erschienen die reichen faconnirten Stoffe, 
eine Art Halbschur, von der oben schon die Rede war, wofür 
wir jetzt als schlechtes Surrogat die gepressten Sammte machen. 
Ausserdem wurden die schweren Sammtstoffe noch mit Gold- 
und Silberornamenten, mit eingesetzten Atlasflecken bestickt 
und brochirt und bildeten den erwünschtesten und schönsten 
Grund für alle Wunder der Nadel. 
Andere 
Scidcnzeuge. 
Ich komme nun zum Sehlusse dieser Bemerkungen über die 
stilistische Benützung der Seide, "die bereits die Schranken des 
vor-gesteckten Planes überschritten haben, noch kürzlich auf den 
Ausdruck hcxainita zurück und stelle ihn zusammen niit den 
ähnlich gebildeten Ausdrücken zu denen er in den mittel- 
alterlichen Schriften die uns über die Gewebe der früheren Jahr- 
hunderte Nachricht geben nleistens den (Jiegensatz bildet. Dieses
        

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