Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669476
lbxtile 
Kunst. 
Stoffe. 
Seide. 
171 
Es liesse sich noch manche andere technisch-ästhetische Be- 
merkung über den in Rede stehenden prachtvollen Stoff hinzu- 
fügen, rniissten wir nicht im Auge behalten, dass wir die Klein- 
künste nur in ihren näheren und entfernteren Beziehungen zu 
den hohen Künsten und vornehmlich zu der Baukunst berück- 
sichtigen dürfen. 
Sammt. 
Den Gegensatz zum Atlas bildet der Sammt und doch ist 
er zugleich mit jenem ein glückliches Resultat wohlverstandcner 
technischer Ausbeutung der Eigenthünwliehkeiten des in Rede 
stehenden Faserstoffs, der Seide nämlich. 
S0 wie die Seidenfäden, der Länge nach betrachtet, das glän- 
zendste Gespinnst (mit Ausschluss der Metallfäden) sind, ebenso 
absolut glanzlos, d. h. lichtabserbirend oder vielmehr die Theilung 
der Lichtstrahlen in aufgenommenes und reflektirtes Licht ver- 
hindernd, ist eine Oberfläche, die dadurch gebildet wird , dass 
unendlich viele querdurchschnittene Seidenfaden aufrecht neben- 
einander stehen, wie dieses beim kurzgeschorenen Sammt der 
Fall ist. 
Im Anfange, bei der ersten Enstehung sammtähnlicher Fabri- 
kate, scheint man diese lichtabsorbirende Eigenschaft der Durch- 
schnittsiiächen der Scidenfäden noch nicht als Moment eines be- 
sonderen Seidenstoffstiles erkannt und benützt zu haben, vielmehr 
bezweckte man Aehnliches wie bei dem Atlas, nämlich durch 
horizontal nebeneinander gelegte lange Enden von Seidenfatlen, 
auf deren (zylindrischen Oberflächen sich das Licht brach und re- 
flektirte, ein möglichst stoffhaltiges und glänzendes Seidenzeug 
liervorzubringeii". Diese ältesten, dem Plüsch ähnlichen Stoffe 
waren Atlas von vielfadigem Einschlag, dessen Fäden zur Hälfte 
oder zum Theil zerschnitten wurden, damit sie als lose Enden 
ein weiches langhaariges Flies bildeten. Dergleichen Stoffe in 
Wolle sind bereits den alten Römern bekannt gewesen und Wer- 
den als Spezialität der damaligen gallischen Wellenindustrie von 
Plinius 'und anderen alten Autoren oft crwäthnt. 
Die ältesten noch erhaltenen Sammtgewcbc, deren Herr Bock 
in seinem oft angeführten Werke mehrere beschreibt, sind gfögstcn-
        

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