Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669415
Kunst. 
Textile 
Stoffe. 
Seide. 
165 
kommen beipflichten können vrir dennoch nicht umhin zu denken 
dass Redgrave in seinem Eifer für die konventionelle durchaus 
Haohe Behandlung der Pflanzenornamente auf Stoffen und für das 
geometrische ndiaper" vielleicht etwas zu rigoristisch sich aus- 
spreche und dass der fortgeschrittene Webstuhl, wenn er nur das 
Prinzip der Flachheit und alle sonstigen Stilbedingungen die das 
Stoifliche angehen beobachte, sich Wohl von den inkunablen 
Formen des Webstuhls in der Kindheit emancipiren könne. Man 
darf sich z. B. natürliches Rankenwerk mit Sehattirung Reflex u. 
dgl. auf eine Weise temperirt und mit dem Grunde harmonisch 
verschmolzen denken dass die Fläche ungestört bleibe, wie diess 
Der 
Atlas. 
Bei aller möglichen Pracht bleibt der Damast und selbst der 
Brokat doch immer ein Stoff der auch mit Wolle fast eben so 
prächtig gewoben werden kann, wenn auch der Wechsel des 
Matten mit dem Glänzenden hier eine etwas andere Wirkung als 
bei dem Seidengewebe herbeiführt.  Dagegen ist das Fabrikat 
von dem jetzt die Rede sein wird so sehr das Erbgebiet der 
Seide, dass nur der Gold- und Silberdraht, in ähnlicher Weise 
verwoben, ihm Entsprechendes hervorbringen kann. Ich meine 
den Atlas oder Satin. 
Der Atlas ist ein opus plumariurn continuum, eine Art von 
Grundstiekerei zu deren Herstellung man sich des Webstuhles be- 
dient. Der genannte Stoff hat gewissermassen gar keine Textur, 
sondern besteht aus unausgesetzt nebeneinander gelegten und in 
einandergreifenden Plattstichen, so dass der Faden der Seide mög- 
lichst lange ungebogen und ungekniekt bleibt und seinen Glanz 
mit dem Glanze der parallel gelegten benachbarten Fäden zu 
glattester Oberfläche und zu sehr brillanter Wirkung von Licht 
und Schatten vereinigt. Die wundervollen Eigenschaften dieses 
Stoffs wurden frühzeitig erkannt und derselbe theils uni des 
öfteren aber in Verbindung mit matten Parthieen, als glänzender 
Gegensatz und Grund für letztere, angewandt. 
Da mir leider einige der wichtigsten Bücher über die Ge- 
schichte der Seidenfabrikation hier nicht zugänglich sind so weiss
        

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