Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669400
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Viertes Hauptstück. 
"Graziöser und eleganter Faltenwurf ist ein wichtiges Erfor- 
„derniss für alle Zeuge die bestimmt sind getragen zu werden 
"und die ganze Fülle der Schönheiten eines Stoffs tritt erst durch 
"das Spiel des bei jederkleinsten Bewegung wechselnden Lichtes 
"und Reflexes auf seiner Oberiiäche hervor; daher darf keine 
"Dekorationsweise angewandt werden die diese Eigenschaft des 
"Zeuges zerstört, ganz abgesehen davon dass es ganz gegen die 
"Zweckrnässigkeit ist wenn man ein Gewand so mit Verzierung 
"überlädt und mit Stickerei steift, dass die bequeme Bewegung 
"und Thätigkeit des damit Bekleideten dadurch verhindert wird. 
„Der volle Lustre der Seide ist ganz besonders abhängig von 
"dem F altenwurf und jedes Seidenfabrikat muss darauf berechnet 
"sein. Wenn Gold? und Silberfäden eingewebt werden so muss 
"ein grosser Grad von Steifheit des Stoffes davon die Folge sein 
"und daher muss der Zeichner des Musters so viel Geschmack und 
"Üebung haben als dazu gehört um zu wissen wie er mit dem 
"mindest möglichen Aufwande von Gold oder Silber den grössten 
"Effekt hervorbringe. Diese verständige Oekonomie zeigt sich be- 
"sonders an den indischen Geweben, während der entgegenge- 
„setzte Fehler an manchen kostbaren Priestergewändern offenbar 
"ward, die so mit Gold gesteift und mit erhabenen Stickereien 
„bedeckt waren dass der Träger in ihnen stecken musste wie 
"in einer Panoplie. Sie waren insgesammt nicht nur durch 
"Uebertreibung vulgarisirt sondern auch vollkommen ungeschickt 
"für den Gebrauch und für die beste Entfaltung eben der orna- 
"mentalen Pracht die man an ihnen so sehr verschwendet hat." 
An einer andern Stelle sagt Redgrave: 
"Die natürliche Behandlung der Blumen als Verzierung tex- 
"tiler Stoffe zeigt sich nirgend (auf der Ausstellung) so sehr in 
"ihrer ganzen Geschmacklosigkeit wie an den reichen Altardecken 
"in Goldbrokat, die von den Franzosen, Oesterreichern und Russen 
"ausgestellt waren. Die kolorirten und schattirten Blumen geben 
"diesen Geweben bei allem ihrem Reichthum einen Anstrich von 
"Alltäglichkeit und Gemeinheit; während kolorirte regelmässig 
"vertheilte Muster, Abwechselung der Textur und dadurch hervor- 
"gebrachte Mannigfaltigkeit derObei-tläche oder Silberfädßn Ver- 
"webt mit Goldfäden (wie bei einigen asiatisch-russischen Fabri- 
"katen gesehen wurde) eine reiche und wahre Wirkung machen." 
Indem wir diesem Urtheile für die besprochenen Stoffe voll-
        

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