Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669392
Textile Kunst. 
Stoffe. 
Seide. 
163 
einer Anwendung zu der Lösung dieser Aufgabe, die den Erfin- 
der reichlich lohnen muss. Es handelt sich dabei nämlich keines- 
ivegs alleinig darum ein billigeres Goldgespinnst aufzulinden, die 
Aufgabe liegt vielmehr darin ein Mittel zu entdecken Wodurch 
die zu grosse brettartige Steifheit unserer modernen Goldbrokate 
vermieden und zugleich jener milde Goldglanz erreicht werde 
den die alten und selbst die neuen orientalischen Goldstoffe vor 
den unsrigen, die einen gemeinen und messingenen Flitterglanz 
zeigen, voraushaben. 
Unsere jetzige Methode den Goldfaden zu präpariren datirt 
erst aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Doch theilt Muratori 
(V01. II. p. 374) ein altes, angeblich aus dem 9. Jahrhundert 
stammendes Recept über Bereitung von Goldfäden mit: de lila 
aurea tacere. (sie!) 
Der Brokatstil und Damaststil kam erst in der dritten Periode 
der Geschichte der Seidenweberei durch die Mauren und Sara- 
zenen Spaniens und Siciliens zur eigentlichen Entwicklung, ja er 
wurde damals gewisserinassen das Grundprincip der arabischen 
Flächendekoratitm und wirkte als solches gewaltig ein auf die 
Architektur und gesammte Kunst des Orients sowie des Westens. 
Seit dieser Zeit hat er eigentlich keine wesentlichen Veränderungen 
oder Verbesserungen erfahren, es sei denn während der schönen 
Zeit des Wiederaufwachens der antiken Kunstempfindung, in 
welcher die Buntfarbigkeit des orientalischen Beklcidungsstils 
einem ernsteren und kultivfirteren Platz machen musste. Es 
wechselten nun, mit Beibehaltung desselben Prinzips der Pflan- 
zenarabeske, sanfte meistens dunkle Farbentöne, dunkelroth, 
dunkelgrün oder dunkelblau, braun, schwarz, mit Gold. Nach 
demselben Grundsatz, die Flache wohl reich zu halten aber nicht 
unnöthig zu unterbrechen, liebte man gleichzeitig die Verbindung 
der gelben naturfarbigen Seide mit Grold. Auch weiss und Gold 
ward häufig verbunden. Erst später unter Ludwig XIV. und 
XV. wurde der Brokat wieder mit bunten Blumen durchwirkt 
und es entfaltete sich eine die: Flächendekoration erschwerende 
naturalistische Auffassung der Arabeske, verbunden mit Leisten- 
werk und anderen Verstössen gegen den Stil. 
Ich kann nicht umhin hier schliesslich folgende Stelle aus 
Redgraves oft citirtem Rapporte einzuführen, da sie den jetzigen 
Geschmack der Brokatweberei sehr richtig charakterisirt:
        

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