Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669353
Kunst. 
Textile 
Stoffe. 
Seide. 
159 
hervergingen. Man sieht also, dass eigentlich keine histeriirten 
Gewebe gemacht wurden und dass dieses höhere Gebiet der Sei- 
denmanufaktur der Kunst der Nadel überlassen blieb. 
Höchst Wahrscheinlich werden sich alle Werke höherer textilcr 
Kunst, die aus dieser älteren Zeit stammen, bei genauer Prüfung 
als Stickwerk, entweder als opus Phrygium oder als opus plu- 
marium 1 ausweisen, wie z. B. die berühmte Dalmatica des kai- 
serlichen Krönungsornates mit der seltsame Thiergestalten enthal- 
tenden breiten Einfassung und die zu ihr gehörende mehr im 
antiken Stile mit Palmetten einfach umsäumte kaiserliche Alba, 
die Wahrscheinlich beide aus dem Hötel Tiraz zu Palermo hervor- 
gingen. Ebenso möchte ich glauben, dass der zu Metz aufbe- 
wahrte Krönungsmantel der Hauptsache nach gestickt sei, wie 
dieses sicher bei dem sehr merkwürdigen, gewiss aus der Zeit 
vor dem 11. Jahrhundert stammenden Seidengesticke auf gemu- 
stertem Linnenzeugc der Fall ist, das Hr. v. Hefner in dem Werke: 
Trachten des christlichen Mittelalters, veröffentlicht und beschrie- 
ben hat und einen Theil des Hinterfutters einer aus dem 13. Jahr- 
hundert stammenden Fahne ausmacht, die zu Banlberg aufbewahrt 
wird. Wahrscheinlich ist diese schöne Stickerei der Rest einer 
Krönungsinfula oder eines anderen schärpenähnlichen Gewandes, 
das zu festlichen oder liturgischen Zwecken bestimmt war. In 
einiger Beziehung bildet es Pendant zu der oben beschriebenen? 
Schärpe oder dem Schleier der hl. Jungfrau Maria zu Chartres, 
welches Kleidungsstück gleichfalls aus Seidenstickerei auf ge- 
mustertem feinem Linnenstoffe besteht. 
Kehren wir von diesem Abstechenzu den eigenthümliehen 
neubabylenischen Seidenstoifen zurück, deren "gemeinsames Kenn- 
zeichen jene rohen Thierbildungen sind, die als vereinzelte Me- 
tive die Mitten regelmässiger mathematischer Figuren, (Polygone 
oder Kreise) ausfüllen oder sich bandförmig über und neben- 
einander reihen oder endlich in Gruppen auf dem dunkleren 
Grunde ohne Einfassung und frei schweben. Ihr Steif bestellt 
aus einem schweren und dichten Scidenzeug von einfachem Kreuz- 
gewebe oder auch von geköpertem starkem Levantin. Die älte- 
sten Stoffe dieser Art sind bloss doppelfarbig, indem die Dessins 
durch den andersfarbigen Einschlag gebildet sind, die späteren 
Ueber 
Unterschied 
diesen 
unter 
siehe 
Stickerei.
        

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