Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669330
Textile Kunst. 
Stofe. 
Seide. 
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wänder bestimmt waren, zu gelten, auch sie waren wahrscheinlich 
ganz glatt gegrundet oder mit einfachen Gold- oder Damastmustern 
versehen und ihren wahren Schmuck erhielten sie erst durch 
Stickerei. 
S0 liess Stephan IV. für die Kirche von St. Peter ein wunder- 
schönes Messkleid aus Gold und Gemmen mit der Geschichte 
des hl. Petrus, wie er durch den Engel aus dem Kerker befreit 
wird, ausführen; derselbe Pabst (der 768 gewählt wurde) stiftete 
auch für die grossen silbernen Thore dieses Tempels Vorhänge, 
die so hoch Waren wie die Mauer und aus gekreuzten oder qua- 
drirten Zeugen bestanden (de palliis stauracinis seu quadrapolis). 
Auch schenkte er 65 grosse syrische und goldgegrundete Vor- 
hänge fur die Arkaden der Basilika, (die die Seitenschiffe von 
dem Mittelschiiie trennten). Auf dem Pluviale des Pabstes St. 
Coelestinus waren die Bilder der Heiligen Peter und Paul in 
Seide und Gold mit der Nadel gestickt, „ein Werk cyprischer 
oder englischer Kunstfertigkeit."  
Alle hier angeführten Stoffe sind entweder einfach, oder mit 
linearischen Mustern gewebt, oder gestickt, nirgend ist noch die 
Rede von wunderbaren eingewebten Thierbildern. Das Bestiarium 
des Orientes wird nun erst eingeführt und in den Berichten wim- 
melt es von nun an von seltsamen und barbarischen technischen 
Benennungen, die zum Theil von den Thieren und sonstigen ein- 
gewirkten Verzierungen der durch sie bezeichneten Steife abge- 
leitet werden müssen. 
Es ist hier nicht iiberliiissig, nochmals zu betonen, dass die von 
Anastasius und andern so häufig erwähnten geschichtlichen Darstel- 
lungen auf kirchlichen Stoffen wohl sicher nicht gewebt, sondern 
gestickt waren, denn sie wurden, wie aus den beschriebenen 
Gegenständen hervorgeht, weder in dem muselmännischen Oriente 
noch zu Konstantinopel verfertigt, sondern zum Theil im äusser- 
sten Westen Europas und gewiss auch des öftern in Italien und 
unter den Augen der Päbste die sie machen liessen, zu Rom 
selbst. Nun hatte man damals in Italien und in England, wie 
wenigstens allgemein angenommen wird, noch keine Seidenfabriken 
vielweniger Teppichwirkereien in der Weise der Arrasmanufak- 
turen, die erst gegen das Ende des Mittelalters aufkamen, deren 
Stoff die Wolle ist und die selbst eigentlich nur grossartige Stick- 
anstalten sind, deren Technik ein Mittelding zwischen Weben
        

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