Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1667411
polytechnisehen Schulen noch die alten Kunstakademien fortbestehen 
lassen, und neben diesen wieder viele sogenannte Gewerbschulen, Sonn- 
tagsschulen, Kunstschulen u. s. w., zum Unterricht für Handwerker und 
Kunsttechniker, eingerichtet; aber Weit eher zum Nachtheil als zum From- 
men der Kunst, die bei diesem systematischen Klassenunterrichte und 
der Spaltung ihres Gebiets nicht gedeihen will, ohne 'l'riebkraft, wie sie 
ist, von unten herauf. 
Um nicht genöthigt zu sein, sich selbst zu wiederholen, beruft sich 
der Verfasser in Beziehung auf diese und andere damit eng verknüpfte 
Verhältnisse auf seine Schrift: Wissenschaft, Industrie und Kunst 
oder Vorschläge zur Anregung nationalen Kunstgefühls. Vieweg. Braun- 
schweig 1852,  
Diese Verhältnisse würden weniger bedenklich scheinen, wenn nicht 
leider eine gewisse höhere Nothwendigkeit ins Spiel träte, in der sie in Ge- 
meinschaft mit gleichzeitigen Wahrnehmungen auf andern Gebieten wurzeln. 
S0 z. B. greift die exakte Wissenschaft noch auf ganz andere 
viel wirksamere Weise als die vorhezeichnete in die Verhältnisse der, 
Gegenwart ein, als Leiter nämlich, oder vielmehr als spiritus familiaris, 
des spekulirenden Jahrhunderts. Sie bereichert das praktische Leben; 
und erweitert den Wirkungskreis der vortheilbedachten Geschäftswelt 
mit ihren Entdeckungen und Erfindungen, die, statt wie sonst Töchter 
der Noth zu sein, diese erst künstlich erzeugen helfen, um Absatz und 
Anerkennung zu finden. Das kaum Eingeführte wird wieder als veraltet 
der Praxis entzogen, ehe es technisch, geschweige künstlerisch, verwerthet 
werden konnte, indem immer Neues, nicht immer Besseres, dafür an die 
Stelle tritt. '  
1 Wie lange währte es, ehe die Meister der grossen Zeit gegen Ende des 
Mittelalters als Ersatz fiir die älteren Prozesse, deren beschränkter Bereich 
ihnen nicht genügte, das Leinül als Bindemittel der Farben zu benützen lern- 
ten. Wie spät gelang es, das Geheimniss der opaken Emailfarben für Fayencen, 
Wßlßhes die Perser und Saracenen wahrscheinlich aus antiker Ueberlieferung 
schon lange kannten, für den Occident wieder zu erfinden. Keine Ehre für 
den Stand der Wissenschaften des damaligen Westens,  aber van Eyk, Luca 
(lffllä Rßllbia und Palissy wussten dafür auch ihr Selbstgefundenes zu gebrau- 
chen, es künstlerisch zu verwerthen. 
lyiß Wenig dagegen unsere heutigen Maler die ihnen durch die Chemie 
in solcher Fülle gebotenen Mittel und Raffinerien der lilalerei beherrschen, er- 
sieht man z. B., um das eigentliche Künstlerische hier ganz ausser Spiel zu 
lassen, schon an dem Verwachsen, Erbleichen und Bersten der Bilder, das 
nach wenigen Jahren eintritt, während die Bilder der alten italienischen und 
niederländischen Meister, auch in dieser rein technischen Beziehung unsterblich, 
wenn Schon nachgedunkelt und mit dem Niederschlag der Jahrhunderte dick 
überzogen, dennuch ihre Haltung behielten, ja vielleicht durch das Alter gewannen,
        

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