Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669248
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Viertes Hauptstück. 
und Königstöchter, nicht die alltägliche Tracht, woraus sich 
schliessen lässt, dass sie seltene ausländische Stoffe Waren. In 
dem Periplus des Arrian werden sowohl seidene Zeuge als auch 
gesponnene Seide als von Aussen eingeführte Handelsgegenstände 
genannt. Bei den Aegyptcrn war, wie es scheint, der Seidenbau 
nicht eingeführt, auch ist nicht nachweisbar, dass sie die Seiden- 
stoffe, die von Indien durch den Handel hätten eingeführt werden 
können, für ihre festlichen und religiösen Kostüms benützten, 
oder sie als Teppiche und Vorhänge verwandten. Wäre ent- 
schieden, dass dasjenige, was in der Bibel mit Seide übersetzt 
Wird, wirklich diese Bedeutung hätte, so müsste man annehmen, 
dass dieser reiche Stoff schon in früher Zeit bei den Aegyptern, 
so wie bei den Juden und Phönikiern, in grossartigstem Massstabe 
für dekorative und vestiarische Zwecke verwendet wurde. Aber 
die seidenen Seile, die gleichfalls seidenen Vorhänge der Stifts- 
hütte, nach Luthers Uebersetzung, sind nach der Erklärung 
mehrerer Interpreten keine Seide. Ausserdem wird die ganze 
Beschreibung der Stiftshütte in dem Exodus für spät und einge- 
schoben gehalten, so dass selbst für den Fall, dass hier Seide 
gemeint Ware, sich daraus gar nichts Sicheres für die betreffende 
Frage schliessen liessc.  
Eben so ungewiss ist es, wann die Seidenstoffe in Westasien 
bei den Völkern des Euphratthalets eingeführt seien und ob man 
sich unter den reichgestickten babylonischen und assyrischen G9- 
wandern und Teppichen Seidenstickereien denken müsse. Heeren 
ist dieser Ansicht, weil bei den römischen Dichtern assyrische 
Kleider stets seidene Kleider bezeichnen und Procop ausdrücklich 
anführt, dass aus dem Seidengespinnste die Gewänder verfertigt 
würden, welche die Griechen vormals als Medische bezeichneten 
und welche man jetzt seidene nenneÄ Diess widerspricht aber 
anderen Stellen der Alten, worin ausdrücklich die babylonischen 
Zeuge unter die Wollenstoffe gerechnet werden, wie z. B. der 
bereits oben angezogenen Stelle des Plinius. Es ist anzunehmen, 
dass der Gebrauch der seidenen Stoffe bei den Assyriern ein 
spät eingeführter sei, und dass erst die Griechen und Römer aus 
der Kaiserzeit die Seidenkleider babylonische oder assyrische Ge- 
wänder nannten, aus dem Grunde, weil der Seidenhandel damals 
über Assyrien und Phönizien ging- 
1 Heeren's Ideen etc. 1. Th. 1. Abth. Seite 113. Forster de Bysso Anti- 
quorum. S. 16.
        

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