Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die textile Kunst für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 125 in den Text gedr. Holzschn. und 15 farb. Tondrucktaf
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1666981
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1669177
Kunst. 
Textile 
Steife. 
Wolle. 
141 
Es erhellt aus der bekannten Hauptstelle des Plinius über die 
Schafzucht und Wollenmanufaktur der Rümerzeit (lib. VIII. ep. 
48) , dass die Alten die Eigenschaften der verschiedenen Woll- 
sorten richtig beurtheilten und zweekgemäss verwandten. Man 
hielt, wie  scheint mehr auf naturfarbige Wolle als diess jetzt 
der Fall ist. Dem römischen Polyhistor ist die apulisehe Wolle 
vorzüglicher als selbst die milesiche; Spanien sei berühmt durch 
seine schwarze Wolle, die Alpenwolle sei durch ihre Weisse aus- 
gezeichnet, die erythräische sei rothbraun, desgleichen die bätischc; 
die eanusische sei gelb, die tarentinische schwärzlieh, die istri- 
sehe und liburnische dem Haare ähnlicher als der Wolle und für 
weichhaarige, geschorene Tuchzeuge nicht zu gebrauchen, sie werde 
zu den künstlichen gewürfelten lusitanischen Stoffen (ähnlich 
den schottischen, sogenannteuPlaidzeugen) verarbeitet. Aehnlieh 
sei die narbonensische und die aegyptische Wolle, woraus so 
dauerhafte Kleider gemacht würden, dass man sie färbe, wenn 
sie abgetragen waren und sie dann noch ein Menschenalter hin- 
durch brauchbar seien. Noch andere zicgenhaarartige Wolle 
werde seit den ältesten Zeiten fiir Teppiche benützt und schon 
von Homer erwähnt. Die Gallier hätten ihre eigene Methode des 
Färbens dieser groben Teppiche, die Parther eine andere. Die 
gefilzte Wolle leiste dem Schwerte und selbst dem Feuer Wider- 
stand. Diese Industrie scheint bei den Galliern vorzüglich ge- 
blüht zu haben, von denen auch die mit gallischen Namen be- 
nannten zottigen Lagerdccken herrührten. 
Man sieht, dass die Alten den Unterschied in der Behandlung 
der Baumwolle und der kurzen und feinen Kratz- oder Tuch- 
wolle wohl kannten, dass ihnen auch die beiden verchiedenen 
Vorbereitungsprozessc, das Kämmen und das Kratzen der Wolle, 
schon geläufig waren. Erstere diente wie bei uns für Posamen- 
tirarbeiten und zum Sticken, letztere für die Fabrikation feiner 
Tuche und dergl. Ueberhaupt erhellt aus dieser und anderen 
Stellen und der Menge von technischen Ausdrücken für Zeuge, 
die bei den alten Autoren vorkommen, dass die Wollenindustrie 
damals Wenigstens eben so mannichfaltig in ihren Erzeugnissen 
war wie bei uns, dass aber höchst wahrscheinlich diese Mannich- 
faltigkeit der Fabrikation weit weniger als jetzt aus der reinen 
Willkür der Fabrikanten hervorging, sondern sich auf ein voll- 
ständiges Studium der Sonderheiten der sich darbietenden Stoffe,
        

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